CD-REVIEWS
Jon Anderson Olias of Sunhillow
Ist eine sehr atmosphärische und märchenhafte Angelegenheit voll von Harfenklängen und ruhigen Vokalpassagen in die sehr geschmackvolle Syntieklänge eingewoben sind. Eher an Jon & Vangelis denn an Yes angelehnt, weniger "hektisch" aber nicht weniger kompliziert. Vielleicht etwas zu esoterisch, hippiesk angehaucht aber dennoch eindeutig Andersons beste Soloplatte. Man hat das Gefühl, dass er in dieses ehrgeizige Projekt wirklich eine ganze Menge seines Talentes reinpacken wollte. Zuviel??? Nun diese Art von Musik wird sicherlich einigen natürlich nicht gefallen weil sie zu wenig bodenständig und "abgehoben" erscheint. So wird es sicherlich auch manchem Yes-Fan gegangen sein. Über Anderson's Lyrik kann man sowieso streiten. Immerhin hat man das Gefühl, dass zumindest eine große Portion Phantasie drin steckt. Kurzgesagt er erzählt (ein) Märchen und entführt uns, wenn man sich drauf einlassen will, in eine Tolkiensche Traumwelt geschaffen für endsiebziger Späthippies. Gutmensch macht Schönmusik und trotzdem wirkt es nicht peinlich oder macht ärgerlich. Ob bei dieser Platte eventuell Drogen im Spiel waren sei einmal dahingestellt, aber nicht ganz ausgeschlossen. Einzelne Songs herauszuheben verbietet sich bei diesem durchgängigen Gesamthörerlebnis. Mal wieder so ne klassische Platte zum Hassen oder Lieben. Ich tue letzteres. Übrigens auch eine wunderbare Platte zum Einschlafen........kein Gag (muss es ja schließlich auch geben).
8 von 10
David Bowie Outside
Bowie - Progressiv??? Na ja.... Warum eigentlich nicht. Das hier ist jedenfalls kein Pop. Schwer einzuordnen. Die Platte ist für Bowieverhältnisse relativ gefloppt. Es handelt sich um ein Konzeptalbum über einen Ritualmörder. Okay, äußerst schwerer Stoff. Nicht massenkompatibel. Aber davon abgesehen ist es die Musik, die diese Platte für mich so genial macht. Ich würde sogar fast so weit gehen zu behaupten es sei "die" Bowie Platte. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es für mich "Low", "Heroes", "Lodger" und "Scary Monsters" - halt jene düstere, schwere Phase. Dann kam lange nix mehr Besonderes von ihm und ich hatte ihn schon abgeschrieben, doch dann kam "OUTSIDE". Bedrohliche Töne, technoide Klänge, virtuos jazzige Klavierpassagen, irre Gitarrensounds, industriell, paranoid und atemberaubend. Der Titelsong
Outside zeigt uns schon in etwa wohin die Reise zu gehen scheint.
The Hearts Filthy Lesson mit geiler Gitarre und Klavier. Das brachiale
Spaceboy haut dich, laut gehört, fast aus den Schuhen.
The Motel ist düsterste Großstadtbarmusik.
I have not been to Oxford...lässt uns erst mal etwas verschnaufen und klingt schon etwas relaxter. Mit
No Control sind wir aber schon wieder tief drin in irgendwelchen seelischen Abgründen.
The Voyeur...geht dagegen, musikalisch gesehen, schon wieder ziemlich ab.
We Prick You ist ein Lied das sehr, sehr schräg rüberkommt, very 80's, wie eigentlich die ganze Platte.
I'm Deranged - einer meiner absoluten Lieblingssongs überhaupt - berührt mich irgendwie.
Thru' these Architects Eyes klingt dagegen im Ganzen etwas freundlicher. Ebenso
Strangers when we Meet, das versöhnlich rüberkommt und noch am ehesten an Bowie heute erinnert. Als Bonbon gibt's hier den Spaceboy-Remix mit den Pet-Shop-Boys(eigentlich würg!), also doch noch POP im klassischen Sinne, und siehe da - soooo schlecht kommt das dann am Ende dieser Platte doch nicht. Sozusagen als Chill-out für diesen doch schwerbekömmlichen Alptraum, der aber wohldosiert gehört, äußerst spannend und aufregend ist.
9 von 10
Cheech & Chong Up in Smoke
Okay die Filme, besser gesagt die ersten beiden waren, glaube ich, noch ganz annehmbar und witzig und mancher würde sie sogar als Kult bezeichnen. Mit anschließenden, immer unterirdisch blöderen Sequels wurden dann jedoch sämtliche Kredits mehr oder weniger verspielt. Nicht nur dieser Soundtrack beweißt, dass diese beiden Jungs (mit Hilfe von solchen ausgesuchten Gastmusikern wie z.B. David Sanborn) eine sehr, sehr geile und ultracoole Musik machen konnten, die die Filme im Bezug auf Witz und Coolness sogar noch toppten. Klar gibt es jede Menge Film-Dialoge, die für nichtenglischsprechende Menschen relativ witzlos sind, aber die Songs haben es in sich. Einfach gute, relaxte, schnörkellose Musik (auch für Nichteingeweihte) gutlosgehend, optimistisch und wie gesagt cool. Eine Platte die man nicht unbedingt haben muss, aber eine Mix-CD von mehreren Cheech & Chong-Platten von denen man nur die "Musikstücke" aufgenommen hat, kann ich nur wärmstens für längere Autofahrten in lauen Sommernächten oder als reine Partymusik empfehlen.
7 von 10
Ian Dury Reasons to be Cheerful
Diese liebevoll zusammengestellte, gelungene Best of Doppel - CD ist einmal ein seltenes Beispiel dafür, dass es auch noch Plattenfirmen gibt (Repertoire, wer sonst), die auch ein bisschen etwas von Musik zu verstehen scheinen und sich wirklich Mühe geben, einen möglichst guten Querschnitt über das langjährige Schaffen dieses Künstlers zu vermitteln. Und das hat ein leider viel zu früh verstorbener Ian Dury ja auch zumindest verdient. Nein hier wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt. 40 Songs sind enthalten, und die haben es auch wirklich fast ausnahmslos in sich. Ehrlicherweise muss man sagen, dass nicht alles Gold das von Dury kam auch glänzte, aber diese kleineren Ausfälle von ihm wurden behutsam ausgeklammert. Die eigentlichen Highlights dieser Platte sind die schwer erhältlichen Perlen der Vor - Blockheads - Ära: z.B. Pam's Moods, Roadette Song etc....No fillers, just killers. Und Gottseidank keine hirnrissigen DEMO - Versionen von Songs die so niemand braucht. Chronologisch zwar nicht ganz perfekt sind aber ansonsten sämtliche musikalischen Highlights wirklich aller Ian Dury - Platten enthalten. Göttliches wie "Billericay Dickie" ist ebenso enthalten wie das geniale "Poo Poo in the Prawn" (in etwa: Scheiße im Shrimp). Tja Texte schreiben konnte er (immer humorvoll und meistens charmant) vorgetragen mit dem dreckigsten Cockney-Slang und immer mit viel, viel Herz. Wirst mir fehlen.
10 von 10
ELO Out of the Blue
Mindestens in ebenso guter Qualität wie der sehr gute "New World Record-Vorgänger" und das extrem erfolgreiche "Discovery-Folgealbum" präsentiert sich hier das ELO-Raumschiff. Es poppt, rock'n'rollt und geigt aus allen Ecken. Da wird sich auch mal gekonnt bei Sergeant Pepper's bedient und hie und da auch mal bei anderen Sixties-Kollegen, aber immer geschmackvoll serviert und auf den (damals) neusten Stand gebracht. Leichte, "klassische" Popmusik und Popsongs in Reinkultur, die auch heute noch nicht allzu vergilbt erscheinen. Viele werden ELO nach wie vor der musikalischen Weichspülerei bezichtigen. Meiner Meinung nach etwas zu Unrecht. Alleine die Singlehits "Turn to Stone, Sweet Talking Woman, Mr.Blue Sky und Wild West Hero" sind und bleiben wunderschöne, gutlosgehende, flotte Popklassiker jener Ära, die man jedoch, wegen eines gewissen Abnutzungseffektes eher wohldosiert genießen sollte. Die Texte scheinen hier eher mittel zum Zweck zu sein (Beispiel: Chooka chooka hoo la ley, Looka looka koo la ley), was aber nicht wirklich stört. Man merkt regelrecht das Jeff Lynne noch ein Popsongschreiber der alten Schule ist und auch sehr viel Gewicht auf den Chorgesang, eine der größten Stärken von ELO, legt. Besondere Highlights sind "Losgehnummern" a la "Across the Border" und "Standing in the rain". Schwächer dagegen eher Schnulziges wie "Big Wheels" und "Sweet is the night". Aber im Großen und Ganzen ein recht durchgängiges Hörvergnügen das auch heute noch Spaß machen kann, aber nicht muss.
8 von 10
Robert Fripp Exposure
Tja, Herr Fripp's erste richtige Soloplatte ist ganz ganz große aber auch keine leichtverdauliche Musik. Mal panisch paranoid, mal zart zerbrechlich dann wieder hemmungslos agressiv - hier gibt es so ziemlich alle Stimmungen die ein (Großstadt?) Mensch nur haben kann, umgesetzt in geniale Musik mit Hilfe von diversen brillanten Musikern. Nach einem etwas seltsamen Intro und anschließendem Telefongeklingel, knallt gleich am Anfang You burn me up I'm a cigarette los. Brachial glänzend. Sphärische Frippertronische Instrumentalpassagen gleiten zwischen den einzelnen Songs wie zufällig dahingestreut. Plötzlich ist man am Meer - Möwen. North Star - leidenschaftliche Ballade, gesungen von Daryl Hall. Dann allercoolster Blues mit der genialen Zeile "I smile like Chicago" - 2 Minuten nur, und aus. Auf den Punkt. Noch 'ne kurze bewegende Ballade - Mary, wieder 2 Minuten, wieder aus und wieder auf den Punkt. Und schon schreit sich Terre Roche bei Exposure im wahrsten Sinne des Wortes die Seele aus dem Leib. Noch einmal rohe Aggressivität in NY3, fast am Rande des Wahnsinns. Als man gerade völlig entnervt die CD wechseln möchte, schallt uns plötzlich die wohl gelungenste Version von Here comes the flood, gesungen von Meister Gabriel persönlich, entgegen. Wieder Sphärenklänge, die langsam ins Nichts gleiten. Aus. Puh - geschafft! Bis zum nächsten Mal.
10 von 10
Frog Pest Fore
Magna Carta Sampler 2002
Aufgrund der verschiedenen Stile und Musiker, will ich hier nur auf die etwas "interessanteren" Sachen eingehen. Die CD startet mit einem relaxten Instrumentalstück von VAPORSPACE, das aber auch schnell wieder vergessen sein wird, weil es ein wenig dahinplätschert. Das tolle Guitarsynth-Intro des Songs von TRENT GARDNER baut Spannung auf, die in einer recht ansprechenden kurzen Ballade endet. Dann ein kleiner Leckerbissen: TERRY BOZZIO&BILLY SHEEHAN geben uns eine Lehrstunde in Sachen "Musik für Musiker". Ist das Jazz-Rock, Progressiv??? Egal, jedenfalls was für eine Bassgitarre, und das Drum sowieso.WOW!!! JORDAN RUDESS, mag offensichtlich Yes und Kansas sehr gerne. Von ANDY WEST WITH RAMA ist im positiven Sinne das "nervigste Stück" des Samplers und heißt nicht umsonst "Mad March". Dieses Stück macht musikalisch gesehen ziemlichen Spaß. Ein wunderschönes Flötensolointro wird uns von MARGELLAN präsentiert. Dann entwickelt sich das Stück, na ja sagen wir mal in leicht pathetische Filmmusik. Störend sind am Ende nur die lausigen abgelutschten Keyboardeffekte, sollten wohl ein kleiner Gag am Rande sein. Das Instrumental der STEVE MORSE BAND haut mich, trotz bewährt guter Gitarrenarbeit nicht eben vom Hocker, klingt für mich etwas müde. Im zweitletzten Song packt NIACIN die Schweineorgel aus und macht uns ein ganz klein wenig den Carlos. Das groovt schon gewaltig. Man fühlt sich glatt 30 Jahre zurückversetzt und doch hört man hier eine Band, die mit modernen Mitteln versucht den "Alten Sound" ins neue Jahrtausend zu retten. Als kleines Bonbon am Schluss gibt es von "THE DECEMBER PEOPLE" noch eine herzzerreißende Version eines "Weihnachtsliedes". Etwas "commercial" klingt das zwar, aber stimmlich das mit Abstand Beste, das dieser Sampler zu bieten hat. Den kleinen Rest der Scheibe kann man sich mehr oder weniger schenken, aber alles in allem eine doch gelungener Jahressampler von Magna Carta.
Ohne Wertung
Peter Gabriel UP
Hier ist sie also endlich - SO III - könnte man sagen, wenn man gemein wäre, doch das wäre nicht ganz fair, denn vom Grundsound und von der Grundstimmung her, gefällt mir persönlich UP fast besser als SO oder US. Doch der Reihe nach:
Darkness Toller Opener- PG wie in seinen besten Zeiten. Eine Mischung aus Spät-Beatles, King Crimson und alten Genesis.......nur moderner.
Growing up Mit diesem Song ist PG wohl im Jahr 2002 angekommen. Hätte ich als erste Single genommen-kommt aber bestimmt noch. Musikalisch hochinteressant.
Sky Blue Hört sich dagegen ein bisschen an wie "Don`t give up" nur SO lala……….
Don`t leave Ein bisschen wie "Red Rain" nur etwas schlechter.......
I Grieve Geht irgendwie total an mir vorbei..........auch ich trauere, und zwar um die Zeiten, als PG noch Platten gemacht hat (z.B. die ersten 4 und Passion) die wirklich fast ausnahmslos gut waren..........und innovativ.....
Burn you up, burn you down Das riecht jetzt aber sehr nach "Sledge-steam-frog"...trotzdem schon besser als die 3 Ausfälle zuvor.
The Drop Die Balladen auf dieser Platte sind, ungewöhnlich für PG, diesmal ziemlich schwachbrüstig und flach geraten (The drop ist dafür das beste Beispiel)
Barry Williams Show Die Single ist gar nicht mal so übel , obwohl das Thema "Talkshows sind Scheiße" nun auch nicht mehr eben soooo aktuell ist. Guten Morgen Pete...
My head sounds like that Es geht also doch noch-Hast die alten Beatles und Procul Harum Platten noch einmal ausgepackt und ein ziemlich interessantes Stück Musik hervorgezaubert, das eine Art Gegenstück zu "Darkness" bildet. Und "A day in the life" ist ja auch wirklich einer der besten Beatlessongs.........
More than this Fängt ziemlich spannend an, verpufft dann aber doch wieder in einem recht schwachen Refrain-und irgendwie riecht es schon wieder nach "Red Rain"
Signal to noise Das Lied haut mich um. Es ist allein schon die Platte wert. Ziemlich beeindruckendes Stück Musik. Warum nicht gleich so, und vor allen Dingen warum nicht mehr davon. Bei diesem Teil bekommt die allgemeine wiederentdeckte Düsternis auch eine gewisse Tiefe, die den meisten anderen Songs irgendwie abgeht.
Die Kritik an PG , dass er für UP praktisch 10 Jahre gebraucht hat, langweilt mich mittlerweile zu Tode. Es gibt halt kreative Täler, durch die jeder Künstler mal hindurch muss...bla bla bla.... (Phil Collins solo z.B. hat meines Wissens seit "In the Air tonight" keine kreativen Berge mehr erklommen.) Von mir aus hätte PG sogar noch 5 weitere Jahre warten können. Um dann aus dem unnötigen OVO-Album das brillante "The tower that ate people" zu nehmen, jene 5-6 guten Songs aus UP, und noch 3 bis 4 NEUE wirklich GUTE Songs draufzupacken. Schwupp-schon hätten wir das fertige Jahrhundert-Album gehabt. SO aber....nun ja-wie gesagt 6 von 11 Songs gehen ja eigentlich noch. Im Vergleich zu anderen Künstlern ist das keine üble Quote. Und wenn er seine Lichtblicke hat, dann reißt er einen auch wieder richtig schön mit. Auf ein freudiges Wiederhören im Jahre 2017.
7 von 10 (weil unter den Blinden ja bekanntlich der Einäugige König ist, was nichts anderes heißt, als dass selbst ein durchschnittlicher PG, immer noch mehr Feeling besitzt, als Legionen von eminemsundbritneysundoasisundblurs oder wie sie alle heißen, je haben werden.)
| GENESIS-SPECIAL(alle Alben) |
Genesis Trespass
Selbstverständlich ist Trespass bereits die zweite Scheibe von Genesis nach ...from Genesis to Revelation, aber das Debüt ignoriere ich hier noch nicht einmal, da es mir ganz einfach nie besonders gefiel, und es für mich lediglich unausgegorene Versatzstücke enthielt, die noch sehr, sehr wenig mit dem eigenwilligen Genesis-Sound zu tun hatten, der bereits auf Trespass aufblitzte und später bei "Lamb" seinen künstlerischen Höhepunkt fand. Zu sehr Klang "Revelation" nach Poor man's Bee Gees. Die an sich gar nicht mal üblen Kompositionen der noch sehr jungen aber offensichtlich äußerst talentierten "Schülerband" wurden von Jonathan King mit Streichern und Chören regelrecht zugekleistert und floppte deshalb auch zu recht. Trespass hingegen (noch ohne Phil Collins und Steve Hackett) Klang dagegen schon sehr atmosphärisch und man räumte den Songs jetzt auch mehr Zeit ein, um sich auf dieser neugewonnenen musikalischen Spielwiese nach Herzenslust auszutoben. Der Opener "Looking for Someone" und später "Stagnation" geben schon einmal einen kleinen Vorgeschmack auf das was noch so alles in dieser sich im Entwicklungsstadium befindlichen Band steckt. Mein eigentlicher kleiner Höhepunkt neben dem göttlichen ungewohnt aggressiven(!) "The Knife" ist für mich aber "White Mountain" mit seinem eigenen seltsamen Charme. Die ganze Platte wäre wirklich schon sensationell, einziger Wehmutstropfen für mich bleibt jedoch der unterirdische, manchmal peinliche Chorgesang z.b. bei "Visions of Angels" oder "Dusk" der mich teilweise zu sehr an "In the court of Crimson King" erinnert. Lässt man dies aber mal bei Seite, hat man es mit sehr geschmackvoller symphonischer Musik zu tun jenseits des Pop/Rock-Mainstreams. Bereits hier wurde der eigentliche prägnante Stil der Gabriel-Ära gefunden. Er wartete nur noch darauf verfeinert zu werden. Nach dieser Platte verließ Gitarrist "Anthony Phillips" (er machte später teilweise recht ansprechende Soloplatten in rauen Mengen) bekanntlich die Band, dessen Einfluss auf den eigentlichen Genesissound jedoch nicht unterschätzt werden sollte.
7 von 10
Genesis Nursery Cryme
Nichtsdestotrotz war der Weggang von Anthony Phillips auch eine Chance für die Band und da man auch gleich noch einen neuen Schlagzeuger suchte, wurde diese auch erstaunlich gut genutzt. Steve Hackett und Phil Collins waren selbstverständlich die absoluten Glücksgriffe für die Band. Sozusagen die beiden Tüpfelchen auf dem ü. Diese Beste aller Genesisbesetzungen sollte immerhin 4 geniale Alben auf uns loslassen und den Anfang machte eben "Nursery". Das 10-minütige "The Musical Box" ist ein reizvolles Wechselspiel zwischen zart und hart. Im ruhigen "For absent friends" darf uns Collins bereits sein Gesangsdebüt geben. Diese Komposition, ähnlich wie "Harlequin" gehört jedoch eher zu den etwas schwächeren Teilen der Platte. Musikalisch interessanter wird es da schon bei "The return of giant hogweed" und besonders in "The fountain of Salmacis" wo das spannungsreiche Wechselspiel zwischen Gitarren und Keyboards reichlich orchestrale Atmosphäre versprüht. "Seven Stones" wäre mein absoluter persönlicher Favorit der Platte, wenn nicht schon wieder dieser blöde Schulbubenchor wäre. Irgendwie verschenkt. Doch da gibt es ja noch mein kleines Highlight, das skurrile "Harold the Barrel" ein Schatz textlich wie musikalisch. Für Genesis eher untypisch. Leider, denn etwas mehr von diesem (schwarzen) Humor hätte dieser ansonsten sehr ernsten Band sicherlich äußerst gut getan. Dieses Album war bestimmt noch keine ganz runde Sache, aber man spürte schon deutlich eine gewisse Weiterentwicklung die mit der nächsten Platte einen vorläufigen Höhepunkt erreichte.
7 von 10
Genesis Foxtrot
Genesis klingt auf Foxtrot im Vergleich zu seinen Vorgängeralben erwachsener, reifer. Auch in aufnahmetechnischer Hinsicht und man höre und staune diese seltsamen Chorstimmen wurden abgeschafft oder so verbessert, das sie nicht weiter ins Gewicht fallen. Fans werden mich hauen, aber ich persönlich finde den Opener (Genesis-Klassiker???) "Watcher of the skies" sogar noch das schwächste Teil des großen Ganzen. Es ist mir irgendwie zu zerhackt, zu zerbreakt und auch das penetrante Melotron nervt mich hier etwas. Die etwas schlichteren, unbekannteren "Time Table und Can-Utility" sprechen mich persönlich da schon mehr an. Erster absoluter Höhepunkt ist mit Sicherheit "Get`em out by friday". Allein der Text ist ein kleines Kunstwerk in sich. Man mache sich mal den Spaß, das Ganze zu übersetzen UND ansatzweise verstehen zu wollen. Dies trifft noch mehr und im Besonderen auf "Supper's Ready" zu. Textlicher Surrealismus par excelance. Und genau diese 23-minütige kleine, harmlos zart beginnende "Rockoper" hat es in sich. Ich meine welcher arme Tropf in dieser Rap und Schmock-Pop verseuchten Welt, kennt dieses göttliche Teil eigentlich nicht. Genesis zieht hier alle, aber auch wirklich alle ihr gegebenen und erlernten Register. Spielt sich von Höhepunkt zu Höhepunkt voll Pathos triefend (im positiven Sinn) und es spielt sich hier ein musikalischer Höllenritt ab den man gehört haben muss. Kopfmusik die man eigentlich nur mit Textheft wirklich genießen kann. Nein das ist keine Rock-Musik mehr im eigentlichen Sinne, schon gar nicht Musik zum Tanzen (noch weniger als Pink Floyd und das soll was heißen). Auch nicht wirklich Musik zum Träumen. Sie verlangt vollste Konzentration, aber wer sich darauf einlässt, wird sie wahrscheinlich ein Leben lang lieben. (oder natürlich auch hassen. Zwischendrin gibt's nix.
8 von 10
Genesis Selling England by the Pound
Die vielleicht Typischste aller Genesis-Platten konnte das hohe Niveau des Vorgängers tatsächlich noch steigern. A cappella steigt Gabriel sehr gefühlvoll beim Opener "Dancing with the moonlit knight" ein und nach und nach gesellen sich die Instrumente zu ihm, ergänzen sich immer mehr zu einem großen Ganzen und ab geht's. Hackett's brillante und eigenwillige Gitarrenarbeit scheint nun vollends gleichwertiger, integraler Bestandteil des ansonsten keyboarddominierten Gesamtsoundes zu sein. Das als Single ausgekoppelte "I know what I like" überrascht durch eine gewisse Schlichtheit. Allerdings hat sich für mich dieser Song ein bisschen totgehört. War da etwa das erste mal bei Genesis, der Albumband ein Fünkchen Kommerzdenken im Spiel? Wenn ja warum auch nicht? Bei "Firth of Fifth" dem eigentlichen Höhepunkt der Platte gelang Steve Hackett nicht weniger als eines der schönsten Gitarrensoli der gesamten Rockgeschichte. Auf dieser Platte schien wirklich jeder Musiker sein Bestes geben zu wollen. Einzig das von Collins gesungene "More fool me" blieb dabei etwas farblos, funktionierte aber dennoch ganz gut als "Verschnaufpause" zwischen großartiger Kunst. Weiter geht's mit dem köstlich, grandios komplexen "Battle of Epping Forest", meinem Texttipp. Alleine in diesem gutgelaunten 12-Minüter steckt musikalisch soviel Substanz drin, das es einen fast erschlägt. Das kleine aber feine Instrumental "After the Ordeal" ist dann schon eher wieder als reine Entspannungsmusik gedacht, bevor das gekonnte, aber meiner Meinung nach leicht überschätzte "The Cinema Show" den krönenden Abschluss bildet. Als "Song" wurde Supper's Ready von Foxtrot zwar nicht unbedingt getoppt, aber was auffällt ist eine gewisse Homogenität die sich durch das Ganze (Konzept?)Album zu ziehen scheint.
9 von 10
Genesis The Lamb lies down on Broadway
Die Musik von Genesis war und ist immer kontrovers: Hassen oder lieben - ich gehöre eher zur zweiten Kategorie (bis auf manches Collinsweichgespüle!). Vielleicht klingen einige Platten von Genesis heute etwas angestaubt. Dieses Doppel-Monsteralbum jedoch nicht. Kunstrock im wahrsten Sinne des Wortes. Manche Kritiker meinen sie sei etwas zu lange geraten. Ich denke: Nein. Die urenglische Band Genesis goes America und wer hätte es gedacht - es klappt. Das Ganze startet mit jenen langsam anschwellenden Klavierakkorden, die aus dem Nichts zu kommen scheinen: "Early morning Manhattan - Ocean wind blows on the land…." Und schon ist man mittendrin, in einer surrealen Story, zu komplex, um sie hier auch nur annähernd erklären zu wollen. Konzeptalbum! Rockoper? Selbst wenn die Bedeutung der Texte mit seinen kryptischen Wortspielereien oft schwer nachzuvollziehen ist, fühlt man sich dennoch in verschiedenste Stimmungen versetzt. Düster: Fly on a Windshield, The Chamber of 32 Doors, Anyway Rockig: In the Cage, Lilywhite Lilith Soulig: Back in N.Y.C Traurig-hoffnungsvoll: Hairless Heart, Carpet Crawlers Honky-Tonk: Counting out Time Abgefahren: The Colony of Slippermen Verbunden und verflochten mit abgehobenen Instrumentalpassagen à la The Waiting Room, strebt das Ganze dem unvermeidlichen Ende "it" entgegen, wo man mit der goldenen Weisheit "It's only knock'n'knowall, but I like it" entlassen wird. Danach verließ Peter Gabriel bekanntlich Genesis, auf dem künstlerischen Höhepunkt der Band. Klar, abgesehen von seinen persönlichen Gründen, war eine musikalische Steigerung wohl kaum noch möglich. Oder?
10 von 10
A Trick of the Tail
(…and then there were four) Auch mir brach damals beim Weggang von Gabriel ein ganz klein wenig das Herz. Doch spätestens als ich dieses Machwerk das erste Mal auf den Plattenteller legte, war die Überraschung groß. Collins, jetzt vom Drummer zusätzlich zum Fulltime-Sänger mutiert machte seine Sache nicht nur richtig gut, seine Stimme klang sogar recht angenehm nach einem etwas geglätteten Gabriel. Nicht wenige Nicht-Insider bemerkten überhaupt einen Unterschied, da der ansonsten gewohnte Bandsound weitestgehend erhalten geblieben war. Musikalisch lag die Latte weiterhin extrem hoch, nur textlich und vor allen Dingen charismatisch war ein Gabriel natürlich keineswegs zu ersetzen. Trotzdem gelang eine, im Kontrast zu "Lamb" wärmere, fast schon romantische Platte z.b. für lange Winterabende oder so... also durchaus schön anzuhörende Kunst, manchmal traurig, zuweilen etwas hektisch, aber immer noch sehr, sehr reizvoll. Der Einstieg "Dance on a volcano" beginnt mir bisweilen noch etwas zu fahrig und geht mir dabei noch am wenigsten ab, ähnlich wie bei "Robbery". "Squonk" überzeugt mich da schon eher. Doch die stärksten Titel sind für mich diesmal die eher ruhigen, aber wunderschönen Sachen a la "Entangled, Ripples, oder Mad Man Moon. Am Ende gibt es noch ein starkes, instrumentales Reprise (Los Endos) und fertig ist das recht gelungene Gabrielsche-Freischwimmerzeugnis. Nicht zu vergessen wäre da noch der leicht swingende Titelsong, der mir aber ein wenig zu kommerzorientiert daherkommt. Trotzdem deutete sich schon eine leichte Verschiebung hin zu kürzeren, weniger komplexen Songstrukturen (man beginnt tatsächlich mit Refrains zu arbeiten)an, was sich wohl auch positiv auf die Verkaufszahlen der reinen Albumband auswirkte.
8 von 10
Genesis Wind and Wuthering
Für meine Begriffe ist Wind and Wuthering, das 2. Album nach Gabriels Weggang, ein mehrschneidiges Schwert geworden. Irgendetwas hatte sich gehörig verändert. Zum Beispiel hatte sich bei "Your own special way" und teilweise auch bei dem trotzdem wunderschönen "Afterglow" das offensichtliche schielen nach einem echten Hit breitgemacht. Und als hätten sie sich dabei ertappt gefühlt, zum Gegenbeweis drei äußerst sperrige, technisch jedoch brillante, aber auch etwas unnötige Instrumentalsongs eingestreut. War bei "Trick of the Tail" die Kontinuität die eigentliche Stärke der Platte, so wirkte man hier nun etwas unentschlossen darüber, wohin die Reise eigentlich gehen sollte. Kunst oder Kommerz? "Eleventh Earl of Mar" erinnerte noch am ehesten an die "alten" Genesis, das feine "All in a mouse's night" klang am untypischsten. Herzstück der Platte ist mit Sicherheit das atmosphärisch dichte "One for the vine", eine der besten Kompositionen von Tony Banks überhaupt, zart beginnend mit einem atemberaubenden Instrumental-Mittelteil und darauf folgendem leisen Ausklang. Mein absoluter Lieblingssong der Platte, das ernste, traurig-pathetische "Blood on the Rooftops" mit sanfter Akustikgitarre vorgetragen und sehr gefühlvoll und leidenschaftlich von Collins gesungen. Die gute alte Gänsehaut eben. Auch wenn es nicht DIE Genesis-Platte geworden ist, so steckt in ihr trotz alldem, im Vergleich zu späteren Werken, immer noch eine ganze Menge Substanz. Dennoch beschloss dieses Album eine weitere Phase, da ein sichtlich unzufriedener Steve Hackett anschließend die Band verließ, um eine evtl. noch größere musikalische Lücke zu hinterlassen, als nach dem Weggang von Gabriel. So erstaunlich und gewagt das auch klingen mag. Doch Genesis wären nicht Genesis gewesen, wenn nicht wieder aus, sagen wir mal Trotz, eine überraschend gute Platte folgen sollte.
7 von 10
Genesis And then there were three
Jetzt setze ich mich mal in alle Nesseln und behaupte ganz frech (natürlich nur für mich), dass dieses Album für mich auf einer Stufe steht, mit sagen wir mal "Foxtrot, oder gar Selling" und das "Follow you, follow me", obwohl garantiert nicht schlecht gemacht, der schwächste Titel der Platte ist. Wahrscheinlich aber auch nur, weil es der erste richtige Singleerfolg von Genesis war, und damals einfach zu Tode gehört worden ist, bis er mir schließlich aus den Ohren rauskam. Alle anderen 10 Songs klingen vom Grundsound her sehr, sehr ähnlich und keiner von ihnen hebt sich oberflächlich betrachtet besonders hervor. Genial finde ich hier (ähnlich wie bei "Trick") wieder diese atmosphärische Geschlossenheit und Dichte, und die von mir so oft erwähnte Durchhörbarkeit. Puristen werden natürlich sagen: Spätestens als Hackett ging, oder bei Gabriel vorher (evtl. sogar bei Anthony Phillips), gingen auch die progressiven Elemente verloren. Das ist mit Sicherheit auch absolut richtig. Aber immer wieder nutzten die verbleibenden Bandmitglieder die Chance, ihren eigenen Beitrag innerhalb der Band zu erweitern. Der Anfang vom Ende jedenfalls war es NOCH nicht. Hier war eine erfahrene, intelligente Band am Werk, die es immer wieder verstand sich neu zu definieren. Der Verlust eines tragenden Bandmitgliedes wurde immer wieder hervorragend kompensiert. Alte Fans gingen, mehr neue Fans kamen. Es waren immerhin die Zeiten des Punk. Viele altgediente Bands verschwanden, einige wurden härter und versuchten sich der damaligen Mode anzupassen. Und was machte Genesis im Jahre 1978? Sie werden noch softer, noch trauriger und noch eigener. "Undertow, Burning Rope und Many too Many", um dann doch noch ein paar hervorzuheben sind meine Lieblinge. Die ganz, ganz traurigen halt. Doch wahrscheinlich erliege ich in Wirklichkeit einem absoluten Irrtum: Nämlich das diese Platte vielleicht doch nicht sooooooo gut ist wie ich sie hier die ganze Zeit mache, und mir lediglich die Nostalgie einen Streich spielt. Ja, ja man hat halt so seine Erinnerungen....bla...bla.........................und trotzdem........
9 von 10
Genesis Duke
Obwohl Duke das erste Nr.1 Album von Genesis in England war und immerhin Platz 11 in den USA erreichte, bleibt es für mich ein eher zwiespältiges Vergnügen. "Behind the lines, Man of our times, Please don't ask und Cul-de-sac" bietet Vertrautes, aber eher durchschnittliches Songmaterial. "Duchess" wäre vielleicht einer meiner Lieblingsongs der Platte geworden, wenn mich nicht schon immer irgendetwas Unerklärliches am Refrain gestört hätte. Stark das kurze aber eindringliche "Guide Vocal". Interessant auch die beiden bombastischen, (teil)-instrumentalen Reprisestücke "Duke's Travels/End" wo sich die Band offensichtlich mit viel Spaß an der Sache gekonnt so richtig auszutoben scheint. Bestes Stück für mich das (natürlich ihr wisst schon) tiefmelancholische, poetische "Heathaze". Superb. Das offensichtliche "aufgepasst ich will ins RADIO" Lied "Turn it on again" ging mir da schon weniger rein. Und langsam aber sicher (Innovation, Innovation!) schmuggelte (wahrscheinlich) Collins(?) auch noch erste Bläser(!) in den Gruppensound ein. Na ja, netter Versuch. Gefährlich trivial und peinlich wurde es aber bei "Misunderstanding und Alone again". Nicht das dass jetzt wirklich schlechte Songs wären. Anderen Bands hätte ich so etwas locker verziehen, nicht so Genesis. Vor allen Dingen Collins rechne ich es zu, vielleicht irre ich mich ja auch, das der Kommerzgedanke bei Genesis immer mehr in den Vordergrund rückte (die höheren Plattenumsätze gaben ihm/ihnen ja auch recht) nur leider wie so oft, verringerte sich meiner Meinung nach proportional dazu das musikalische Niveau. Die blöden Achtziger waren schließlich angebrochen. Immerhin noch 50-60% der Musik war durchaus stark genug um mich als altem Fan bei der Stange zu halten, doch einfach wurde es mir dabei auch nicht gerade gemacht. Oder sollte es gar noch schlimmer kommen?
Jo Simon 6 von 10
Genesis Abacab
Ähnlich wie bei Duke ging es mir mit Abacab. Der wesentliche Unterschied jedoch zu allen vorherigen Genesis-Alben war der ungewohnt trockene, moderne, aber auch etwas sterile, typische Eighties-Sound, der wohl hauptsächlich auf die Kappe eines gewissen Soundengineers namens Hugh Padgham ging. Gleich zu Beginn überrascht der gutlosgehende, flotte Titelsong und zeigt auf, wohin bei Genesis die nächsten Jahre die musikalische Reise ging. Das machte neugierig auf mehr, aber prompt wird man bei "No reply at all" zurück auf den Boden der Tatsachen geholt. Die Bläsersätze sollten wohl einen gewissen Groove in die Genesismusik bringen, waren aber bei Collins Soloscheiben wesentlich besser aufgehoben. Wenn man' s mag. Für mich "worstgenesissongever". Und weiter mit der Achterbahnfahrt. Das äußerst angenehme "Me and Sarah Jane" ist ein kleiner Favorit und erinnert noch am ehesten an frühere Großtaten. "Keep it dark" dagegen ist eher wieder Durchschnitt. Das mächtige "Dodo/Lurker" kommt dann schon wieder gewohnter daher und ist nicht von schlechten Eltern. Dodo/Genesis vom Aussterben bedroht? War das etwa eine Anspielung (Dinosaurier/Punk etc.)? Apropos....Höre ich bei den Titeln der eher wieder durchschnittlichen Songs "Like it or not" und "Another Record" ein gewisses Beleidigtsein heraus? Kann mich auch irren. Und jetzt doch einmal etwas zu den meisten Texten der Nach-Gabriel-Zeit. Ärgerlichstes Beispiel:
WHODUNNIT?
Was it you or was it me?
Or was it he or she?
Was it a or was it b?
Or was it x or z?...undsoweiterundsoweiter
Ich erspare mir dazu jeglichen Kommentar. Außer das auch die Musik zu diesem Text getrost als gescheitertes Experiment bezeichnet werden darf. Nicht zu vergessen wäre dann noch ein ärgerlich, triviales Liedchen namens "Man on the Corner" das auch besser auf jede Collins Soloscheibe gepasst hätte. Und je mieser ich die Musik fand, desto erfolgreicher wurde sie natürlich verkauft. Doch eigentlich konnte es ab jetzt nur noch besser werden. Ein gewisser musikalischer Tiefpunkt war meiner Meinung nach erreicht.
Jo Simon 5 von 10
Genesis Genesis
Gleich zu Anfang der Paukenschlag. Das spannungsgeladene, sich immer mehr steigernde "Mama" war ein absoluter Glücksgriff, und hätte ich ihnen zu dieser Zeit gar nicht mehr zugetraut. Das hatte natürlich rein gar nichts mehr mit den "alten" Genesis zu tun, aber hier konnte man von wirklicher Weiterentwicklung gegenüber den letzten Sachen sprechen. Und ich glaube es war auch das erste Mal, dass ein Genesissong wirklich "tanzbar" war. Das angenehme, obwohl recht kommerzielle "That's all" kam leicht wie eine Feder rüber. Der Doppelsong "Home by the sea" gefiel mir auch immer, wobei beim heutigen Anhören vielleicht das etwas penetrante Eighties-E-Drum nervt. "Illegal Alien" fand ich damals ziemlich bescheuert, heute dagegen macht er mir komischerweise mehr Spaß. Gibt's glaub ich auch ein sehr nettes Video davon. Jedenfalls brachte dieser gutgelaunte Song (für Genesis eher ungewohnt) Humor in das Ganze. Die Balladen "Taking it all too hard" und noch mehr "It's gonna get better" bleiben für mich Gott sei Dank die einzigen wirklichen Ausfälle des ansonsten schönen Albums. Bei dem engagierten, dynamischen "Just a job to do" nerven mich ausnahmsweise die Blässer mal nicht. Man spürt regelrecht, dass ein selbstbewusster Collins, vielleicht auch aufgrund seiner überraschenden Soloerfolge, hart an seiner Stimme gearbeitet hatte. Die etwas härteren Songpassagen kamen jetzt viel kraftvoller rüber als früher. Bei dem an sich sehr interessanten Song "Silver Rainbow" werde ich das Gefühl nicht los, dass er nicht richtig zu Ende komponiert wurde. Irgendwie fehlt da der letzte Pfiff (und leider wieder zu E-Drum-dominiert.) Trotzdem eine Platte der gelungeneren Sorte, typisch Eighties zwar, aber im Vergleich zu manch anderem Schlock dieser Zeit, durchaus ein Lichtblick.
7 von 10
Genesis Invisible Touch
Der Titelsong wurde tatsächlich der erste u. einzige Nr.1 Hit von Genesis in den USA was schon was heißen mag. Hauptgrund war meiner Meinung nach jedoch nicht unbedingt die Qualität des Songs an sich, sondern die außergewöhnliche, parallel laufende Solokarriere von Mister Collins auch in den Staaten zu dieser Zeit. Mag mich irren. Jedenfalls ging dieser Song ziemlich an mir vorbei. Besser finde ich da schon das vielleicht etwas zu ausgewalzte Tonight, Tonight, Tonight" auch wenn diese "Ohos" auf Dauer echt nerven können. Erwähnte ich hier übrigens schon mein (persönliches?) Problem mit dem E-Drumsound, der auch diese Scheibe(leider) wie ein roter Faden durchzog, was für mich die ganze Platte aus heutiger Sicht fast unhörbar macht, gäbe es nicht z.b. dieses herrliche (zynische?, wieder aktuelle?) Land of Confusion, das ordentlich Dampf macht (übrigens geiles Video). Die beiden Balladen "In too deep" und "Throwing it all away" fallen leider ähnlich schwachbrüstig aus, wie schon die beiden Blaupausen auf dem Vorgängeralbum. Ärgerlicher macht mich aber "Anything she does", das definitiv nix auf einer Genesisplatte zu suchen hat, und genau die Art von Collinsstücken(?) repräsentiert, die besser auf dessen Scheiben aufgehoben sind. Merke: Wer Genesis mag, muss den meisten Collinskram noch lange nicht mögen. Bestes Stück der ganzen Platte ist für mich das etwas länger geratene "Domino" ein ungefähres Äquivalent zu "Home by the sea", wobei ich hier ausnahmsweise auch die E-Drums verzeihen kann. Einen recht versöhnlichen Abschluss bildet das gelungene Instrumentalstück "The Brazilian", wobei der etwas ins Hintertreffen geratene Tony Banks (der heimliche Mr.Genesis) aufgrund von diversen Solomisserfolgen, noch einmal eine etwas größere musikalische Spielwiese betreten durfte. Es war schon erstaunlich wie dominant der Einfluss von Mr.Collins mittlerweile bei Genesis war, und die Band dennoch (vorerst) zusammenhielt. Auch ein gewisser Herr Rutherford hatte ja schließlich mit "Mike & the Mechanics" überraschend ein äußerst erfolgreiches Sideproject gestartet. Unglaublich erfolgreich war diese Platte allemal, für mich gesehen jedoch vom musikalischen (Langzeit-)Wert her eher wieder ein klitzekleiner Rückschritt.
6 von 10
Genesis We Can't Dance
Nach fünf Jahren Pause (ich hätte es fast nicht mehr für möglich gehalten) legte ich diese Doppel-LP(!)- das definitiv allerletzte Vinyl das ich mir überhaupt noch zugelegt hatte- auf den Plattenteller und siehe da, ich war äußerst angenehm überrascht. Den Songs wurde wieder mehr Raum gelassen, was den meisten auch sehr gut tat, und vor allen Dingen war glücklicherweise wieder eine gewisse Soundwärme zu spüren, die den sterilen Achtziger-Werken völlig abhanden gekommen war. Der Starter "No son of mine" ist trotz seiner offensichtlichen Radiotauglichkeit ein richtig guter bis sehr guter Popsong. Punkt. Aus. Das recht gut losgehende ironische "Jesus he knows me" in etwa auch. Am interessantesten sind die Herzstücke der Platte, nämlich etwas längere Titel wie: "Driving the last spike", "Dreaming while you sleep" und ganz besonders "Fading lights". Hier wird einem noch einmal so richtig zu Ohren geführt, wie eigen der Sound von Genesis war und immer noch ist, trotz all der Jahre und gelegentlicher Anpassungen an den jeweiligen (Musik)Zeitgeist. Als wollten sie es allen noch einmal so richtig zeigen. So wunderbar locker, relaxt und selbstironisch wie beim köstlichen Titelstück "I can't dance" waren sie nie und nie wieder. Das der ganze Rest der Platte zumindest genial gemachte Popsongs von unterschiedlicher, aber tendenziell eher besserer Qualität waren, konnte niemand wirklich ernsthaft bezweifeln. Die Integration von dezenten, progressiven Elementen mit Wandlung hin zu reiner Popmusik war das erste und einzige Mal erstaunlich gelungen. We can't dance war der würdige Abschluss einer der besten Bands der Welt, die noch einmal alle Register zog, und dabei hätte man es belassen sollen, aber da war doch noch was...
7 von 10
Genesis Calling all Stations
And then there were nothing. Welcher Teufel mag die Verbleibenden Banks und Rutherford wohl geritten haben, nach dem Weggang von Phil Collins ernsthaft so weitermachen zu wollen, als wäre nichts geschehen. Selbstüberschätzung, Geldgier oder Beides? Klar war der Name/die Marke Genesis immer noch einigermaßen Garant für reißende Plattenumsätze, doch diesmal hatte man sich offensichtlich gehörig verkalkuliert. Das mit dem Ex-Stiltskin Sänger Ray Wilson gehörig ins Klo gegriffen wurde, lag bestimmt nicht an dessen durchaus guten bis sehr guten Gesangesqualitäten. Dazu mal ein etwas gewagter Vergleich: Die Stranglers, ebenfalls eine meiner Lieblingsbands, verließ bekanntlich schon vor etlichen Jahren ein gewisser Mister Hugh Cornwell (natürlich der Sänger), und seitdem strampelt sich diese Band ab und macht weiterhin Platte auf Platte auf musikalisch weiterhin hohem Niveau, und floppt und floppt und floppt. Auch sie haben sich einen Nachfolger rausgekuckt der, ähnlich wie Wilson, zwar ein technisch sehr Versierter ist, aber leider auch das Problem hat, nicht sehr eigenständig zu klingen. Sprich eine Stimme, ohne wirklichen Wiedererkennungswert zu besitzen. Doch der Schwarze Peter (nein nicht der Gabriel) bei Genesis liegt definitiv nicht bei Ray Wilson. Denn es hätte auch durchaus klappen können, wie der (flehentliche?)Titelsong "Calling all (Radio?)Stations " beweist. Der ist nämlich, man höre und staune, ein richtig, richtig geiler. Klingt zwar gar nicht mehr wie Genesis auf allen ihren vorherigen Alben, aber er ist sehr intensiv und leidenschaftlich vorgetragen, und steigert sich immer mehr, und beweist gleich zu Anfang, dass sie es eigentlich können (könnten). Doch danach folgt Song auf Song, einer konturloser, seichter und trivialer als der Nächste. Schickt Genesis in den "Congo" und lass sie bitte, bitte dort. Ärgerlich auch das leicht Reggae-orientierte "Alien Afternoon" in Nick Kershaw(!)-Manier. Noch am glaubwürdigsten, das ganz nette, akustische "Not about us". Doch dann folgt undefinierbarer, lausiger Pop-Schmock-Schlock irgendwo zwischen den schlechteren Sachen von Mike and the Mechanics und den Soloflops eines Tony Banks. Kurzum viel zu wenig brauchbares Songmaterial für eine ganze CD. Eine Single hätte deshalb durchaus gereicht. Das eigentlich gefährliche auf diesem Holzweg ist, dass ein über Jahrzehnte mühsam aufgebauter Mythos namens Genesis mit dieser Scheibe wahrscheinlich einen solchen Knacks bekommen hat, von dem er sich so schnell nicht, wenn überhaupt noch einmal erholen wird. Ein klassisches Beispiel davon NICHT auf dem (einem) Höhepunkt aufzuhören zu können (z.b. nach We can't dance). Wenn dies, was ich eigentlich nicht glauben kann, der letzte Streich von Genesis war, dann ist es zumindest ein trauriger Abgang geworden. Die einzige reelle Chance für die Band, nach all dem zerschlagenen Porzellan, kann NUR aus einer Rückkehr von Ex-Bandmitgliedern bestehen, nach dem Motto: "Rettet die Dinosaurier". Ob ein Peter Gabriel oder Phil Collins noch einmal zu gewinnen sind erscheint doch eher fraglich, und wenn überhaupt dann doch wohl eher Collins. Eine nette und gar nicht mal so utopische, reizvolle Variante wäre für mich auch eine Rückkehr von Steve Hackett und FISH (ja der) als Sänger. Wir werden' s erleben.
4 von 10
Steve Hackett Darktown
Good Ole Steve, ehemaliger Genesisgitarrist (einer meiner persönlichen Gitarrenhelden) gehört für mich zu der seltenen Gattung Gitarristen (ähnlich eines David Gilmour, aber leider weniger erfolgreich), die nicht unbedingt durch Schnelligkeit, sondern eher durch Atmosphäre glänzen und so ganz nebenbei einen ganz eigenständigen superben Gitarrenstil entwickelt haben, der sie von Myriaden von Gitarrenhalsquälern unterscheidet. Das 1999er Album von Hackett ist garantiert nicht sein Bestes, aber eben technisch gesehen sein "Modernstes" bis jetzt.
Omega Metallicus ist ein wildes Gitarreneinstiegsstück, bei dem schon mal alle Register gezogen werden. Willkommen im Techno-Land. Fiep. Schnartz. Kling. Bumm. Geil.
Darktown das Titelstück mit verfremdetem Sprechgesang und sehr schönem Saxophon klingt düster, dramatisch, pathetisch. Gut eben.
Man Overboard ist dann doch wieder einer der zu den 2 - 3 unnötigen Lückenfüllern gehörenden Songs. Die einzige Schwäche auf fast all seinen Platten ist genau diese Art von Songs und seine dabei teilweise auch oft unzureichenden Sangeskünste.
The Golden Age of Steam ist einer jener wundervollen Songs, wie nur SH sie schreiben kann. Orchester, Chöre, ein trauriges Thema. Ergreifend.
Days of long Ago eine von Jim Diamond gesungene Ballade ist mir persönlich zu glatt, zu Mainstream.
Dreaming with Open Eyes siehe Nr. 3
Twice around the Sun da ist sie wieder, diese unwiderstehliche, einzigartige, atmosphärische E-Gitarre, die mir immer wieder Gänsehaut bereitet.
Rise Again ist gutgemachter Prog-Rock.
Jane Austen's Door siehe Nr. 3 und Nr. 6
Darktown Riot siehe Nr. 1
In Memorian ist In the court of Crimson King ins Jahr 1999 transportiert. Da gibt es Mellotronklänge, Chöre und einen John Wetton am Bass. Dieses Hammerstück ist wirklich "DARK". Perfekter Beerdigungssoundtrack.
Resümee: Wie so oft, 3 eher banale Songs aber ansonsten ziemlich eigenständige, sehr starke Musik. Brutal gesagt denke ich, dass sein größter Fehler ist zu oft selbst singen zu wollen. Das zieht sich leider wie ein roter Faden durch alle seine Platten. Unschlagbar ist er immer dann, wenn es Instrumental wird, oder wenn sich gute Gastsänger die Ehre geben. Dennoch wegen guter, gleichbleibender Qualität:
8 von 10
Billy Idol Whiplash Smile
Billy Idol ist (eigentlich war) eine Kunstfigur hauptsächlich bestehend aus einer ganzen Menge Image. Das der Junge ein gar nicht mal sooo schlechter Sänger war(ist), wurde dabei gern übersehen. Das seine Musik den meisten Punks und Heavies etwas zu soft und zu glatt erschien, war diese umgekehrt den Poppern meist zu hart. Zwischen diesen Stühlen zog er trotzdem sein Ding recht erfolgreich durch. Diese Platte scheint mir sehr repräsentativ für die damalige Zeit (Mitte der Achtziger) zu sein, und ragt für mich etwas aus dem damaligen Musikschrott heraus. Nicht zuletzt Gitarrist "Steve Stevens", Bassist "Marcus Miller(!)" und Keyboarder "Harold Faltermeyer(!!!) ist es zu verdanken das diese Platte für mich ein Rundumvergnügen ist. Das dabei solche Hämmer wie "Don`t need a gun" und "Man for all Seasons" aus Idols eigener Feder stammen, ehrt ihn zusätzlich. Also, diese Platte einmal vorurteilsfrei in den Auto-CD-Player einwerfen, aufdrehen und ab geht die Post, auch heute noch. Billy Idol rockt. (jedenfalls hier…)
8 von 10
Jethro Tull Aqualung
Jethro Tull: geh mir weg mit denen, laaaaaaaangweilig, immer das Gleiche, ätzend usw..... Tja, find ich nicht so. War zwar nie meine Lieblingsband aber auf jeder Platte von Ihnen, auch heute noch, finde ich immer so mindestens 2 bis 3 Songs die mich wirklich packen. Der Kenner wird zwar das wunderschöne Album "Thick as a brick" vorziehen, mir persönlich gefällt allerdings Aqualung noch etwas besser. Das Ian Andersons Texte (hier wirklich über GOTT und die Welt) diesmal besonders bissig ausgefallen sind, weiß glaube ich mittlerweile jeder wie z.b. über die schielende Maria (Cross-Eyed Mary). Doch viel wichtiger erscheint mir der Kontrast zwischen knackiger, rotzig rockender Musik a la "Aqualung, Wind-up, My God, dem unverwüstlichen "Locomotive Breath" und dem restlichen eher zarteren, gefühlvollen Material zu sein. Dieses Album ist und bleibt für mich einer dieser wirklich zeitlosen All-Time-Rockklassiker die ich so alle paar Jahre immer mal wieder gerne auflege und traurig zurückblicke auf Zeiten (ja ja damals......haha) als noch wirklich phantasievolle und eigenständige(eigenwillige) und vor allen Dingen KREATIVE Musik gemacht wurde. (und trotzdem war früher natürlich NICHT alles besser. So.)
9 von 10
King Crimson Discipline
Wahrscheinlich ist "In the Court of Crimson King" die Mutter aller Prog-Rock Scheiben und qualitativ sowieso die beste und innovativste Scheibe von KC. Doch ehrlich gesagt, wenn man von Nostalgiegründen einmal absieht, hat diese Platte immerhin schon satte 33 Jahre auf dem Buckel und, meiner Meinung nach, leider auch schon etwas Patina angesetzt. Ich wiederhole: Meiner Meinung nach. Okay, natürlich besitze ich alle KC CD's und es war nicht einfach mich für eine bestimmte zu entscheiden. Warum also ausgerechnet "Discipline"? - Weil die Musik - immerhin auch schon 22 Jährchen alt - erstaunlicherweise frisch, modern, dynamisch daherkommt und nach wie vor äußerst aufregend klingt. (Mal sehen wie ich in 11 Jahren darüber denke!) - Weil Fripp, Bruford, Levin, Belew meine absolute Lieblingsbesetzung von KC ist. - Weil Songs wie Elephant Talk, Frame by Frame, Matte Kudasai und Thela Hun Ginjeet mit das Beste sind was ich überhaupt je von einer "Rock-Band" gehört habe. - Weil ich beim Zuhören im wahrsten Sinne des Wortes zwischen Kälte und Wärme hin- und hergerissen werde. - Weil ich KC in dieser Besetzung mit eben diesen Songs live erleben durfte und sie dabei mindestens ebenso geil fand wie auf dieser Platte. Reicht das?
9 von 10
Litfiba Pirata
Eine Liveplatte einer italienischen(!) Rockband, die ich einst in einer Pariser(!) Plattensammlung für mich entdeckte und seitdem liebe. Obwohl ich wirklich keine Silbe italienisch verstehe packt mich diese Scheibe (vielleicht gerade deswegen?) immer wieder. Nicht wirklich vergleichbar mit den französischen Trust (weil nicht so heavy), steckt wohl eher ein Hauch von Marillion und noch mehr ein Quäntchen der spanischen "Heroes del Silencio" (oder umgekehrt?)drin. Die sehr warme, aber kraftvolle Stimme des Sängers Piero Pelu, sorgt sofort für Urlaubsstimmung und macht uns manchmal sogar den Wolf. Man hat das Gefühl, das ist noch ehrliche Musik, gutes bis sehr gutes Handwerk, fließend. "Tex" bester Song der Platte ein Rock-Morricone der Extraklasse. Englisch können sie's auch, wie sie in einer sehr gut losgehenden Version von "Raw Hide" aus Blues Brothers beweisen oder im unverwüstlichen kurzen, knackigen "Tequila" wobei ich diesmal auch ein italienisches Wort verstehe: Grappa. Das diese Art Musik im Moment so ziemlich am outesten ist, bleibt für mich wohl ewig ein Rätsel. Und wieder einmal und ganz besonders hier gilt das Klischee:
It's only rock'n'roll, but I like it.
8 von 10
The Motors Airport - The Motor's Greatest Hits
"A New Wave Heavy Metal Pop Band" siehe Covertext trifft den Nagel so ziemlich auf den Kopf und wäre noch erweiterbar in Punk- oder noch richtiger Pubrockband usw. aber hier haben wir schon das Problemchen mit dem dummen und immer wieder auftretenden Kategoriendenken in der Rockmusik. "Just a fucking good ROCKBAND" und sonst nix. Fertig aus. Doch ein Klischee hätte ich noch, nämlich: One Hit-Wonder. So das wäre abgehakt. Der nette, recht bekannte und einzige poppige Hit: "Airport" so Ende der Siebziger war wohl Segen und Fluch zugleich für diese äußerst gradlinige, kraftvolle Band, doch das sie es wirklich drauf hatten und es auch ne Nummer härter geht, beweisen die meisten der 16 anderen Perlen der Platte. Absolut herausragend sind die druckvolle Live-Version von "Cold Love" und das wundervolle "Time for make up". Und wieder mal eine leider, leider nur kurzlebige, fast vergessene Band der Rockgeschichte mit jeder Menge Substanz und Potential. Schade schade.
9 von 10
Klaus Nomi Encore
Schwülstige, eierlose Opernmusik würde manch einer nach den ersten Klängen sagen, und das komplette durchhören dieser Platte verlangt auch schon manchmal einiges ab. Aber bitte, bitte, ihr wollt doch keine Kunstbanausen mit Vorurteilen sein. Habt Geduld. Natürlich ist diese Art von Kunst(rock)musik nicht jedermanns Sache, doch schon bei "Total Eclipse" merkt man, da geht irgendetwas ab das wirklich etwas "Anders" ist und es rockt dabei auch noch erstaunlich gut. Okay diese Stimme ist wirklich gewöhnungsbedürftig und beim Elvis-Cover wird's auch fast schon gruselig kitschig, doch schon gibt es das göttlich augenzwinkernde "Simple Man" und man lernt ihm dafür sofort zu verzeihen. Immer wenn die operettenhafte Stimmung überhand zu nehmen scheint, wird es wieder aufgelöst mit solchen Hämmern wie dem genialen "Ding Dong-the witch is dead". Tja wie gesagt nicht jedermanns Sache, aber zumindest äußerst ungewöhnlich und immerhin extrem skurril, hat sich, der leider an Aids verstorbene Klaus Nomi, mit dieser Platte wenigstens ein ganz klein wenig in mein "Rock-Herz" soprant.
8 von 10
Mike Oldfield Amarok
Wieder so 'ne Reizfigur der Rockgeschichte. Wieder so 'ne verkannte Platte. Gerade deshalb ist es eine Freude sie als eine meiner Lieblingsplatten anzupreisen. Oldfield ist eigen, esoterisch-angehaucht, spinnert, eigenbrötlerisch, idealistisch, langweilig usw. - wahrscheinlich stimmt von all dem ein wenig; was man ihm aber bestimmt nicht vorwerfen kann, ist dass er nicht experimentierfreudig ist oder war(?). Einige seiner vielen, vielen Platten scheinen misslungen, diese jedoch ist es mit Sicherheit nicht. Ich behaupte sogar ganz frech: "Tubular Bells" ist verbraucht - da ist musikalisch nichts mehr herauszuholen, außer barer Münze. Aber dieser Silberling hier ist auch in 30 Jahren musikalisch noch sein Gold wert. Wenn man die Platte in den Player einlegt, stellt man erstaunt fest, dass diese Platte, obwohl sie nur aus einem Song besteht (!), 60 Minuten lang ist. Damals (1990) wahrscheinlich rekordverdächtig. Auf dem Covertext folgende vielsagende Warnung: "This record could be hazardous to the health of cloth-eared nincompoops." Übersetzt in etwa: "Diese Platte könnte gefährlich für die Gesundheit von Trotteln sein". Nun also los: Aufnahmetechnisch gesehen ist das Ganze sowieso ein Leckerbissen wegen des glasklaren Sounds. Es scheint als hätte er "alle" Geräusche, Töne, Laute dieser Welt in 60 Minuten pressen wollen. Hingeworfene Geräuschestreusel, wunderschöne Flamencogitarren, Engelchöre, Millionen verschiedenster Instrumente läuten zum Sturm auf die Ohren. Und doch scheint alles wie aus einem Guss. Man muss es selbst gehört haben. Als Bonbon am Ende trifft man noch auf Maggie Thatcher (!) und reibt sich danach verwundert die Ohren. Mein Tipp: Diese CD im Auto laut aufdrehen und durch menschenleere Landschaften düsen. Kommt gut.
9 von 10
Alan Parsons A Valid Path
Ein Mann sucht seinen Weg……einige Male schien er vom rechten Weg abgekommen zu sein. Er verlief sich in den Abgründen des Kommerzes und der Weichspülerei. Seine Platten wurden Mitte der Achtziger zusehends belangloser und trivialer, dabei blitzte hin und wieder auch auf solchen platten "Plättchen" noch seine eigentliche Genialität auf. Denn dieser leicht in Vergessenheit geratene Synthie- und Studiopionier war ja immerhin für solche absoluten musikalischen Großtaten wie: Tales of Mystery and Imagination, I Robot, Pyramid etc. verantwortlich. Konnte er das alles verlernt haben? Natürlich nicht. Jetzt, im Jahre 2004 scheint er endlich wieder "auf den rechten Pfad" gefunden und seinen guten Riecher für durchhörbare Werke, angenehme Songs und Sounds zurückbekommen zu haben. Das er sich dabei bei 2 seiner Songs (Neuaufnahmen von Mammagamma und The Raven) selbst zitiert ist nur legitim und soll wohl auch jüngere Zuhörer, die nicht mit dem alten Stoff vertraut sind, ansprechen. Vorzugsweise instrumental gehalten klingt das Ganze recht "modern" und ist doch 100% Alan Parsons. Mal düster, mal pathetisch und immer wieder auch ungeheuer kraftvoll. Ein gewisser Herr Gilmour streut ein paar sehr, sehr nette Soli ein und macht das Ganze zu einer rundherum geschmackvollen Angelegenheit. Natürlich werden die alten ewig gestrigen Verfechter seines Frühwerkes, auch diesmal wieder was zu meckern haben und junge Neuhörer werden vielleicht etwas von "'ner gerade eben noch okaynen Platte zum chillen" sagen. Ich für meinen Teil, der "Don't answer me" einem seiner "größten" Hits wirklich NIE etwas gutes abgewinnen konnte, behaupte jedoch, das diese Platte mit das Beste ist was ich von Alan Parsons seit zwei Jahrzehnten zu Ohren bekommen habe. Kurzum: "Er kann's noch".
8 von 10
| PINK FLOYD-SPECIAL(alle Alben) |
Pink Floyd The Piper at the Gates of dawn
Hippiezeit, psychedelische Drogen und dieser kleine Quantensprung von Platte als passenden Soundtrack für diese ganz spezielle Zeit. Syd Barrett, Roger Waters, Rick Wright und Nick Mason pfeifen sich wohl so einiges rein und machen dabei trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, intelligente, abgedrehte Musik von einem anderen Stern, oder besser gesagt, von einer anderen Galaxis. Es wird experimentiert, herumprobiert und herausgekommen ist ein schaurig schöner, geiler Sound, der damals wirklich "anders" war. Mastermind Barrett ist für den größten Teil des etwas spinnerten Outputs und den genial, naiven Texten verantwortlich. Mir selbst fiel diese Platte (noch in mono!) in meiner ganz persönlichen Hippiezeit so Anfang der Achziger in die Hände und ich muss sagen, sie ist für mich ein starkes Stück Musik geblieben.
Astronomy domine: Gleich ein psychedelischer Rundumschlag. Spacig natürlich, wie der Name schon sagt. Gefällt mir allerdings auf "Ummagumma" etwas besser.
Lucifer Sam: Hier besingt Barrett seine Katze in coolem Catrhythmus
Mathilda mother: Seltsam und skurril halt
Flaming: siehe Nr.3, nur noch schriller
Pow r.Toc H.: Psychedelisches Instrumentalstück der feineren Art. Hier kann man schon kleinere Klangfetzen von dem zu hören bekommen, was später folgen sollte.
Take up thy stethoscope & walk: Auf Waters einzigem Song der Platte übt er hier schon mal für spätere Kunstwerke
Interstellar overdrive: Very kakophonisch und sehr experimentell angehaucht. Aber revolutionär? So Spacesachen waren zu dieser Zeit ja irgendwie Programm.
The Gnome: Mein kleiner heimlicher Favorit der Platte. So strange & funny klangen Pink Floyd danach nie wieder. Vielleicht ja auch besser so.
Chapter 24: Sergeant Pepper grüßt hier schon ganz schön, aber warum auch nicht? Auch die Großen haben ihre Einflüsse gehabt.
Scarecrow: Meiner Meinung nach, ein eher schwächeres Teil
Bike: Mein 2. Geheimtipp. Macht auch heute noch ganz schön Spaß. Siehe Nr.8
Für mich nicht (wie einige Barrettfreaks behaupten) die beste PF-Platte, aber spannend iss sie allemal. Halt mit Liebe gekocht und zubereitet. Schade eigentlich nur, dass nicht die ersten Singles wie z.B. das köstliche Arnold Layne vertreten waren. Sie wurden aber später, jedenfalls teilweise, auf "Relics" nachgereicht. Ein genialer Einstand für die spätere "Supergroup".
9 von 10
Pink Floyd A Saucerful of Secrets
Nach wie vor sind keine weltlichen, sondern eher extraterrale Themen angesagt. Barrett, im kosmischen LSD-Rausch psychisch abgedriftet, scheint nicht mehr haltbar in einer Band, die noch am Anfang ihrer bald folgenden Weltkarriere steht. Er wird durch seinen Freund David Gilmour ersetzt, soweit Barrett überhaupt ersetzbar scheint. Doch siehe da, gitarren- und gesangstechnisch durchaus ebenbürtig scheint Gilmour in die Band zu passen, wie die Faust aufs berühmte Auge. Ein Glücksgriff. Das Ganze klingt jetzt alles schon etwas differenzierter, strukturierter, weniger chaotisch aber auch etwas kommerzieller. Charismatisch und textlich gesehen, schien Barrett sowieso unersetzlich zu sein, aber dafür war der Pink Floyd typische Gruppensound weitestgehend erhalten geblieben, und so fiel die Lücke die Barrett hinterließ noch einigermaßen akzeptabel aus.
Let there be more light: Waters hatte seine Hausaufgaben als Komponist gemacht und gleich mal einen kleinen Astronomy Domine-Nachfolger aus dem Ärmel geschüttelt. Stark
Remember a day: Wright serviert hier eher banales, beatleleskes
Set the controls of the heart of the sun: Ich bevorzuge auch hier die Ummagumma-Liveversion
Corporal Clegg: Einfach nur köstlich (wieder very Sergeant Pepperlike)
A saucerful of secrets: Psychedelic meets Geräuschorgie und endet in wunderschöner, erhabener, churchlike Passage. Es blitzt diese atmosphärische, melancholische Schönheit der späteren PF-Werke erstmals auf. Dennoch empfehle ich auch hier wieder die Ummagummaversion.
See saw: Siehe Nr.2, jedoch noch schwächer
Jugband blues: Dann doch noch ein letzter, seltsamer Abschiedsgruß von Barrett, gesungen und komponiert von ihm, und das war`s dann.
Für floydsche Verhältnisse sicherlich noch keine Offenbarung zeigte diese Platte dennoch, dass es auch ohne Barrett weiterging und sich insbesondere Waters hier kompositorisch bereits einigermaßen freigeschwommen hatte. Die Platte stand im Zeichen einer musikalischen Übergangsphase und wäre sie nach dem Anfangserfolg von "Piper" gefloppt, hätte dies wahrscheinlich auch zum frühen Ende von PF geführt. Gott sei Dank war das bekanntlich nicht der Fall. Ganz im Gegenteil.
8 von 10
Pink Floyd More(Soundtrack)
Zu Anfang gleich ein Geständnis: Ich habe diesen Film nie gesehen. Kennt den überhaupt noch wer? Wie man hört, scheint es um Hippies, Selbstfindung, Ibiza oder so zu gehen. Egal. Bei nächster Gelegenheit werde ich ihn mir mal ansehen. Pink Floyd-Musik als Soundtrack??? Das erscheint irgendwie logisch. Bei "Zabriskie Point" funktionierte es jedenfalls tadellos. Übrigens, netter Film mit genialem Schluss (wieder Hippies u. Selbstfindung, diesmal ohne Ibiza). Aber funktioniert diese Musik losgelöst vom Film??? Antwort: Sie tut es. Wenn überhaupt so etwas funktioniert, dann bei Pink Floyd. Wie wäre es wohl sonst zu erklären, dass uns ständig in der Werbung oder in verschiedenartigsten Dokumentarfilmen plötzlich Floyd-Musik um die Ohren gehauen wird.
Cirrus minor: Relaxte, wunderschöne Ballade von Waters
The Nile: Surprise, Surprise - Pink Floyd beweisen hier, dass sie sogar ganz schön fetzig einen abrocken können. Ungewohnt. War damals für Barrett-Fans wahrscheinlich der reinste Horror
Crying song: 'Ne eher schnarchige Angelegenheit, etwas zu relaxt
Up the khyber: Leicht jazziges Instrumental, solala
Green is the colour:Ganz nett, aber nicht gerade berauschend
Cymbaline: Fast ein richtiger kleiner eingängiger Hit, very commercial, ansonsten siehe Nr.1
Party sequence: So nach dem Motto: wir kiffen uns einen und dann spielen wir`n bisschen Bongo
Main theme: Instrumentale Filmmusik, interessant aber nicht weltbewegend
Ibiza bar: Ungefähr siehe Nr.2
More blues: Pink Floyd hat den (etwas seichten) Blues
Quicksilver: Siehe Nr.8
A spanish piece: kurz und gut
Dramatic theme: Nur in soweit interessant als das hier erste gezogene Gitarrenfragmente aufleuchten, die später den floydtypischen Gitarrensound, des sich hier noch im Entwicklungsstadium befindlichen David Gilmour, ausmachen.
Summa summarum, wahrscheinlich Pink Floyd`s schwächste Platte, jedoch mit einigen kleinen, äußerst schönen Perlen drauf.
Ohne Wertung
Pink Floyd Ummagumma
Ein Doppelalbum wie es so heutzutage nie mehr herauskommen würde. Ein zweischneidiges Schwert, sozusagen. Die eine Hälfte mit überlangen Live Versionen von bereits erschienenen Songs, die andere Hälfte bietet jedem Bandmitglied seine eigene Spielwiese für musikalische Soloexperimente unterschiedlichster Qualität. Eins machte Ummagumma jedoch klar. Bis auf eine Ausnahme hatte man sich nun endgültig vom Barrettschen Einfluss freigeschwommen. Gilmour, nicht zufällig auf dem Cover im Vordergrund, hatte sich in das Gruppengeflecht mehr als nur integriert, er brachte es hier sogar fertig, sich langsam eine führende Rolle neben Waters zu erspielen. Insgesamt gesehen dominiert auf dieser Platte erstmals die floydtypische, düstere Grundstimmung. Live:
Astronomy domine: Barrett`s Klassiker der ersten Stunde hier noch einmal musikalisch aufgewertet
Careful with that axe eugene: Mein klarer Favorit der Platte. Ein düsteres, kleines Kunstwerk, das sich zuerst leise, dann immer bedrohlicher aufbaut und in einem wirklich durch- Mark-und-Knochen-gehenden, schreienden Höhepunkt endet. Nix für schwache Nerven.
Set the controls for the heart of the sun: Beeinflusste wahrscheinlich Millionen von Psychedelic-Bands. In diesem Zusammenhang unbedingt, wenn noch nicht geschehen, den Film "Pink Floyd-Live in Pompeji" ansehen.
A saucerful of secrets: Ein weiterer psychedelischer Höhepunkt im PF-Werk. Nix für jeden Gehörgang. Ein scheinbar chaotisches musikalisches Durcheinander findet sich in einem ungewöhnlichen Drumrhythmus wieder und endet in einer wunderschönen, hymnischen Kirchenorgelmelodie. Jetzt erst mal verschnaufen.
Studio:
Sysyphus part1 - 4: Schwer verdauliche Kost. Hier wird das arme Klavier auf jede erdenkliche Art malträtiert, dass es schon fast körperlich wehtut. Ultramoderne Klassik? Musik vom für Keyboarder? Jedenfalls absolut nicht mein Fall. Dazu fehlt und fehlte mir immer jeglicher Zugang
Grantchester meadows: Sorgt erstmal für Enstspannung. Morgenstimmung, Frühlingswiese, Vogelgezwitscher, jemand kommt fröhlich die Treppe heruntergelaufen, und PAFF klatscht er mit einer Zeitung eine Biene zu Brei. Sehr gekonnt, sehr relaxt... aber zu früh gefreut denn mit "Several Species..." haut uns Waters eine Geräuschcollage um die Ohren, dass es nur so kracht. Experimental pur, auch nicht jedermanns Sache.
David Gilmour holt uns in "Narrow way pt.1" mit lieblichen Akustikgitarren erst mal wieder herunter auf den Boden, nur um in "Narrow way pt.2" uns bereits einen kleinen Vorgeschmack auf den schwerverdaulichen, düsteren Mittelteil von "Echoes" zu geben. "Narrow Way pt.3", schließlich eines der eingängigsten Stücke der ganzen Platte, zeigt uns erstmals Pink Floyd in dem Stil wie wir es auch heute noch von Gilmour gewohnt sind.
The Grand Visier`s Garden Party pt.1 - 3: Ähnlich wie bei Rick Wright. Sehr abstrakt. Sicherlich für Drummer äußerst interessant, aber ansonsten? Okay, es war eh die goldene Zeit der 400-minütigen Drumsoli. Gut, dass das wenigstens vorbei ist. He, ihr Nostalgiker, es war nicht ALLES gut in den Siebzigern.
UMMAGUMMA ist teilweise äußerst schwerer Stoff, aber insgesamt gesehen, auch heute noch ein äußerst experimentierfreudiges, reizvolles Meisterwerk, das wohl Abertausende Bands und Musiker weltweit beeinflusst hat und allen "Coverbands" dieser Welt als Beispiel dafür dienen sollte, es doch einmal mit etwas "Eigenem" zu versuchen.
ohne Wertung
Pink Floyd Atom Heart Mother
Wir schreiben das Jahr 1970. Pink Floyd besitzen bereits einen gewissen Ku(h)ltstatus. Sie halten es zu dieser Zeit schon für unnötig, ihren Namen auf das Cover zu schreiben. Das berühmte Kuh-Cover. Legendär. Werbetechnisch revolutionär. Und die Musik? Wie damals z.B. auch Deep Purple hatte man nun Ambitionen, die etwas ungewohnte Ehe mit einem Orchester einzugehen. Rock goes Classic. Konnte das gutgehen? Nun ja. Immerhin Pink Floyd's erstes Nummer 1 Album in England schien diesen Trend verkaufstechnisch zu bestätigen. Doch mir persönlich ist diese Platte stets etwas fremd geblieben.
Atom heart mother: Das sechsteilige Titelstück, das eine ganze Plattenseite einnahm, operngleich aufgebaut, wurde mit Hilfe von Ron Geesin komponiert und arrangiert. Wir hören Streicher, Chöre, Bläser etc. und jeder einigermaßen "moderne" Musiklehrer damals fand diese Scheibe ziemlich "dufte". Genau das war es aber, das mir, kleinem Rebellen, diese Platte so verdächtig machte. Das Stück klingt anfänglich für floydsche Verhältnisse sehr aufgeräumt. Man kann wieder Sgt. Pepper-Anleihen erkennen. Doch noch ein klein wenig Kakophonie und die Gitarre am Ende versöhnt mich schließlich dann doch noch einigermaßen.
If: Ähnlich eines "Grandchester Meadows" zeigt sich auch hier Waters mal wieder von seiner entspannteren Seite. Er klingt gesanglich hier erstmals wie auf allen zukünftigen Platten.
Summer `68: Mein überraschenderweise von Rick Wright geschriebenes Lieblingsstück der Platte. Leicht wie eine Feder. Die Beatles hatten sich aufgelöst und hier lebten sie weiter. Übrigens, diesmal auch mit tollen und passenden Bläsern.
Fat old sun: Hier hört sich Gilmour wie auf seinen späteren, gar nicht mal so verkehrten, seltenen Soloalben an. Und wieder lassen die Spätbeatles gehörig grüßen. Nicht weltbewegend aber ganz nett.
Alan`s psychedelic breakfast: Ist ein dreiteiliges, 13-minütiges, relaxtes "Hörspiel", ein psychedelisches Frühstück eben, das man morgens um 10 im Garten sitzend genießen sollte, und aufnahmetechnisch für damalige Verhältnisse schon recht genial war. Als Engineer taucht hier übrigens erstmals ein gewisser Alan Parsons auf, von dem wir später ja noch einiges mehr hören sollten.
Irgendwie fällt mir dazu die Struwwelpeterzeile: "Nein, diese Suppe ess ich nicht" ein. Mag diese Platte lieben wer will, ich persönlich stelle sie lediglich auf eine Stufe mit "More". Deshalb "nur"
7 von 10
Pink Floyd Meddle
"Meddle" klingt im Vergleich zu Atom Heart Mother für mich schon fast wie aus einem Guss. Unglaubliche 32 Jahre alt ist diese Scheibe nun schon, hat dafür aber äußerst wenig Patina angesetzt. Pink Floyd scheinen hier ihren Stil langsam gefunden zu haben. Natürlich immer noch die eine oder andere übertriebene, psychedelische Eskapade, aber irgendwie alles mit etwas mehr Schmackes, das Ganze. Los geht's:
One of those days: Pink Floyd's erster richtiger Alltime-Klassiker ist hier enthalten. Das Teil geht auch heute noch tierisch ab; vollaufgedreht röhrt es zwischen den Boxen hin und her und man wird an eine höllische, atemlose Achterbahnfahrt erinnert. Einer der besten Floydsongs überhaupt. Spätestens ab hier beginnt Floyd-Musik wirklich "zeitlos" zu werden.
A pillow of winds: gibt uns dann wieder Zeit zu verschnaufen, klingt sehr entspannt.
Fearless: Ähnlich relaxed geht es in dieser zweiten Gilmour/Waters Komposition zu und wird schließlich mit dem eingespielten Liverpooler Fangeschrei "You never walk alone" beendet
St.Tropez: Noch so eine kleine aber feine Watersche Perle, mal eben locker hingeschrieben. Und man will nur noch eins - in Urlaub fahren. Sonne, Sand, Meer. Floyduntypisch, aber herzallerliebst.
Seamus: Weiteres Kuriosum - ein Blues, gesungen von einem Hund(!) namens Seamus. Noch mal ein bisschen Spaß, bevor es richtig ernst wird
Echoes: Diese 22-minütige (Minioper?) beinhaltet alles wofür Pink Floyd so groß geworden ist. Da wäre zunächst einmal Gilmour`s göttlicher Gitarrenstil zu erwähnen, der hier einen ersten Höhepunkt erreicht. So klingt nur "Er". Alle Bandmitglieder spielen hier so homogen zusammen, dass es eine wahre Freude ist. Eine Band hat sich hier endgültig gefunden, könnte man meinen. Dieses Stück wird allerdings von einem psychedelischen, äußerst düsterem Mittelteil durchschnitten, das garantiert nicht jedermanns Sache ist. Hier werden musikalisch Stimmungen erzeugt, die man fast physisch spüren kann, ja einen fast zu quälen scheinen. Dann entspannt sich die Sache doch noch und man kann erstmals The Wall - ähnliche Sounds erklingen hören. Starkes Stück Musik
Der eigentliche Vorbote von Dark Side of the moon gibt sich hier schon mal die Ehre und herausgekommen ist sehr, sehr eigene, wunderbare Musik.
9 von 10
Pink Floyd Obscured by Clouds
Wieder so ein Soundtrack und wieder so ein Film "La Vallée", den ich leider nie zu Gesicht bekommen habe. (Wahrscheinlich geht es mal wieder um Hippies und Selbstfindung - HAHA). Positiv gesehen bleibt so jedoch viel Raum für die eigene Fantasie. OBC funktioniert alleinstehend schon wesentlich besser als "More", da die Musik an sich ausgereifter erscheint. Nicht PF's beste, aber wahrscheinlich unterschätzteste Platte(neben "The Final Cut"). Und Sie schaffen es auch wieder locker, diese leicht düstere Grundstimmung konsequent durchzuhalten.
Obscured by clouds: Dieses Instrumental baut sich auf einem einzelnen industriell- klingenden Grundton auf und zeigt einmal mehr "the masters of intro" at their best.
When you`re in: Instrumental. Typische Anfang der Siebziger Mucke, die für mich die freche Frage aufwirft: Wer hat hier wohl von wem abgeguckt: Mark Bolan: "Children of the Revolution" oder die Herren von "PF"
Burning Bridges: Slow Song. Schöne Gitarren mit leichtem Countryflair, aber unausgegorenen Vocals
The gold it`s in the...: Tja, Punk Floyd versuchen hier mal etwas härter zu rocken und scheitern nicht wegen der Musik an sich, sondern wegen den etwas verkrampften Vocals
Wot`s...uh the deal: Nettes kleines Teil, dass schon fast ein wenig kommerziell rüber kommt
Mudmen: Schönes orgeluntermaltes, floydtypisches Gitarrenstück
Childhood`s end: Guter musikalischer Vorläufer vom späteren "Time". Hier klingt Gilmour`s Gesang endlich kräftiger als auf dem ganzen Rest der Platte.
Free Four: Ist eindeutig meine persönliche Perle der Platte. So ein scheinbar einfaches, lockeres, kleines, böses Watersches Meisterwerk im Mitklatschrhythmus(!) und wunderschöner Sologitarre. Gnadenlos gut.
Stay: Bei diesem ansonsten ganz netten Song nervt mich nur der etwas bescheuerte Refrain.
Absolutly curtains: Schaurig schönes Instrumentalstück, das wirklich absolute Soundtrackmusik bietet. Mit geschlossenen Augen gehört laufen hier "wirkliche" Bilder ab und der Song endet in Stammesgesängen von Ureinwohnern, die uns bereits einen Vorgeschmack auf zukünftige "Weltmusik" geben.
Alles in allem kein totaler Kracher wie Meddle davor und vor allen Dingen DSOTM nachher, aber trotzdem durchaus auch heute noch hörbar, und für ein Soundtrack allemal nicht schlecht.
ohne Wertung
Pink Floyd Dark Side of the Moon
Habe gerade mit einem gewissen Amüsement eine uralte Sounds-Review verschlungen, in der DSOTM erbarmungslos hingerichtet und als "hinterm Mond" bezeichnet wurde. Setzen, sechs. Selten hatte ein Kritiker so extrem danebengelegen wie hier. Kann natürlich passieren. Schade nur, dass es damals sowieso irgendwie "in" war, die meisten Progscheiben von sogenannten "Dinosauriern" im allgemeinen zu ächten, zu schlachten, und zu verbraten. Wahr ist, dass PF mit dieser Platte tatsächlich zu "Dinosauriern" mutierten und bis heute mit dieser etwas zweifelhaften Ehre leben müssen. Dass DSOTM die Platte ist, die mit Abstand am längsten in den Verkaufscharts war und auch heute dort immer mal wieder auftaucht, ist hinlänglich bekannt, muss aber noch nicht viel über die eigentliche Qualität aussagen.
Speak to me: PF beweisen hier mal wieder, das sie die Könige des Intros sind
Breathe: Spätestens hier wird klar, dass Gilmour gesanglich seinen eigenen kleinen Quantensprung geschafft hatte.
On the run: Treibendes Syntiestück, das noch am ehesten an vergangene"psychedelische Experimente" erinnerte
Time: Natürlich ein absoluter Klassiker mit wunderschönem Gitarrensolo
The great gig in the sky: Wenn englische "Depri-Rocker" mit solch einer Soulröhre wie Claire Torry eine Symbiose eingehen, wie hier geschehen, kommt nicht weniger als der für mich "BESTE" Pink Floyd Song aller Zeiten heraus.
Money: Und siehe da, nach genau 6 Platten u. 6 Songs beweisen uns PF, dass sie sogar etwas grooven können. Auch der geniale Saxophoneinsatz ist ein Novum für PF. Natürlich wurde ein bisschen mit dem amerikanischen Plattenmarkt geliebäugelt. Aber mit Erfolg.
Us and them: Ist so ein stilles, schwebendes Ding mit wirklich genialem Chorgesang, das sich schleichend in deinen Kopf bohrt und darin hängen bleibt.
Any colour you like: Instrumentalstück das atmosphärisch die nächste Platte "Wish you were here" schon mal vorwegnimmt
Brain damage: Beeindruckende musikalische Hommage an Syd Barrett
Eclipse: Gelungener Ausklang der Platte, noch einmal mit viel Soul hervorgebracht
Warum ist eine Platte eigentlich sooo erfolgreich und was macht eine Platte so zeitlos? Erst einmal hat DSOTM definitiv keine wirklichen Hänger, d.h. man kann sie getrost durchhören ohne auch nur bei einem Stück der Versuchung zu erliegen, die "next" Taste zu drücken. Wie viele Platten können das schon von sich behaupten? Dass DSOTM Pink Floyd's erste wirklich "kommerzielle" Platte war steht außer Frage, aber wenn Kommerzialität, wie in diesem Falle geschehen, auch "Hörbarkeit" bedeutete, so lagen PF mit der Entscheidung, keine Avantgarde mehr sein zu wollen, sicherlich nicht falsch, da sowohl musikalisch wie inhaltlich noch genug Substanz und Eigenständigkeit übrig blieb. Aufnahmetechnisch (Alan Parsons/Abbey Road - na, klingelt's?) seinerzeit sowieso um Lichtjahre voraus wurden hier eigenständige, homogene, musikalische Stimmungen erzeugt, die sich wie ein roter Faden durch jeden einzelnen Song ziehen und nahtlos ineinander übergehen. "The dark side of the earth" wäre wohl, aufgrund der für PF-Verhältnisse durchaus "irdischen Themen", der passendere Titel gewesen. Sei's drum. Ein Meisterwerk.
10 von 10
Pink Floyd Wish you were here
Man hat's nicht leicht. Da haut man so einen Megaseller wie "DSOTM" heraus, doch was kommt dann? Ist eine Steigerung danach überhaupt noch möglich? Vom Prinzip her NEIN. Gleichbleibende Qualität zu bieten scheint ohnehin schon schwer genug zu sein und man muss im nachhinein sagen, dass das bis dahin erreichte hohe Niveau "zumindest" gehalten wurde. Nach DSOTM ist WYWH die zweite Platte von PF geworden, die man getrost "durchhören" kann. Sie fließt. Immer vorausgesetzt man mag überhaupt PF.
Shine on you crazy diamond pt.1: Wieviele Abermillionen Bands weltweit mag dieser, für mich 2.beste PF-Song überhaupt, wohl beeinflusst haben? Gilmour`s Gitarrenkünste zeigen sich hier auf dem absoluten Zenit. Und dann der Chorgesang. Und der Refrain, und, und, und. Ist natürlich Syd Barrett gewidmet.
Welcome to the machine: Ein bedrohlich wirkender, mit geschicktem Synthieeinsatz und seltsam herausgequetschtem Gesang gestrickter Slowsong, der einen trotz der Kälte nicht kalt lässt.
Have a Cigar: Von Gastsinger Roy Harper leidenschaftlich vorgetragene, ätzende Abrechnung mit dem Musikbusiness, die cool groovt. Textzeile: "The band is just fantastic, that is really what I think, oh by the way, which one`s Pink". 'Und wieder ne tolle Gitarre.
Wish you were here: Kein Lagerfeuer, kein Urlaub, keine Gitarrensession ohne diesen kleinen, feinen Akustikohrwurm. Simple genialer Klassiker.
Shine on you crazy diamond pt.2: Auch so einer meiner heimlichen Favoriten von Pink Floyd. Schwebende Synties, Gitarrendelays (die später bei The wall eine noch größere Rolle spielen werden) und eine klagende Leadgitarre, wie eine singende Säge. Einziger Kritikpunkt überhaupt ist, dass dieses Stück mir am Ende ein klein wenig zu lange geraten scheint.
Zitat aus der damaligen Soundskritik: "WYWH ist einfach schlechte Musik, die überhaupt nicht los geht." Von wegen. Diese Art von Musik hatte ja nie den Anspruch gehabt, unbedingt losgehen zu wollen. WYWH hat mich, wie wahrscheinlich Millionen andere auch, ein gut Stück durch meine Jugend begleitet. Ob nun für den alltäglichen Musikkonsum, ob ein Mädel auf meiner Bude damit zu beeindrucken, ob als Soundtrack für Parties, oder als endgültigen Anlass, mir 'ne Stratocaster zuzulegen. Diese Scheibe verfehlte nie ihre ganz eigene Wirkung und tut es auch bis heute noch nicht. Ein weiterer Höhepunkt im PF Gesamtwerk.
10 von 10
Pink Floyd Animals
Pink Floyd scheinen zu diesem Zeitpunkt endgültig "erwachsen" geworden zu sein. Interessant scheint mir die Wandlung hin zu bodenständigen aber auch sozialkritischen Themen, die sich bereits auf DSOTM anbahnte und hier ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Zynisch und ungewohnt böse werden hier Tiere als Synonym für bestimmte menschliche Charaktereigenschaften (nicht eben die guten) benutzt. Dies scheint zwar eine recht simple Grundidee zu sein, die aber gekonnt, sowohl textlich als auch musikalisch, umgesetzt wurde. Anders als bei allen früheren Alben scheint hier der Text endgültig im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen. Die Musik agiert dabei hauptsächlich als Transporteur. Scheint eher Mittel zum Zweck zu sein. War bei WYWH kompositorisch Waters schon an jedem einzelnen Lied zumindest beteiligt, so schien diese dennoch im eigentlichen Sinne Gilmour's Platte zu sein. Auf Animals hatte Waters es offensichtlich geschafft, das Ruder fast komplett zu übernehmen, und lediglich bei "Dogs" tauchte Gilmour noch als Co-Autor auf. Von den anderen Bandmitgliedern ganz zu schweigen. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, funktioniert diese Platte bis heute.
Pigs on the wing pt.1: Untypischerweise gibt es diesmal kein instrumentales Intro, sondern es geht in diesem knappen, einfachen Akustikteil thematisch gleich zur Sache. Musikalischer Vorläufer vom späteren "Mother". Unspektakulär, aber gut.
Dogs: Hier wird 16 Minuten lang mit sogenannten Karrieremenschen abgerechnet. Wieder mal wunderschöne und auch bissige Gitarren von Gilmour. Allereinzigster Kritikpunkt der ganzen Platte: Dieses Stück erscheint mir im großen und ganzen Etwas arg lang geraten zu sein. Geschmacksache.
Pigs(Three different ones): Besitzt seinen ganz eigenen köstlichen Charme. Die sogenannte Schweinemenschenabrechung wird anhand eines Kinderabzählreims vollzogen. Mehr oder weniger direkt beim Namen genannt richtet sich Waters Angriff eindeutig auch an die britische Moralapostelin Mary Whitehouse, die in nicht floydtypischer Manier als "fucked up old hag" bezeichnet wird. Musikalisch glänzt in diesem Stück Gilmour`s geschickter Einsatz eines Vocoders, mit dessen Hilfe er das "Schweinegrunzen" genial simuliert.
Sheep: Ein Song wie ein Paukenschlag. Von den Anfangsakkorden eines glasklaren E-Pianos, dem treibenden Bass, den coolen Drums und den scheppernden Gitarren abgesehen, ist das eigentliche Highlight des Songs ganz klar der Vocaleffekt, der mit den Synties zusammenzufließen scheint. Übrigens geht es um Mitläufer, Kriecher, Schafsmenschen halt.
Pigs on the wing pt.2: Gleiches Akustikthema wie pt.1 beschließt nach soviel Anklage leicht versöhnlich diese ansonsten nicht eben leichtverdauliche Platte.
Wieder mal von Anfang bis zum Ende "durchhörbar" ist Animals, gerade wegen der neu erreichten Textqualität, ein weiteres Highlight im Gesamtwerk von Pink Floyd. In Zeiten der erstmals aufkommenden Punkwelle, deren Verachtung sich nicht zuletzt auch gegen "Dinosaurier" wie Pink Floyd richtete, warf Pink Floyd eine Scheibe auf den Markt, die für PF-Verhältnisse textlich und musikalisch härter war als alles was man bis dato von ihnen gehört hatte. Gut so.
10 von 10
Pink Floyd The Wall
Pink Floyd sind Legende. Pink Floyd können 50 Minuten lang Geräusche von fallenden Blättern, einem einzigen anhaltenden Akkord und grunzenden Schweinen aufnehmen, und die Platte wird, vorausgesetzt es steht PF darauf, dennoch ein Hit. Doch seit "The Final Cut" (eigentlich The Wall 2) ist Pink Floyd mehr oder weniger tot. Das Hirn (Roger Waters) verließ den Kopf und es blieb nur ein Name, eine Hülle, eine Marke. Nicht wirklich schlecht, aber erschreckend substanzlos. Pink Floyd ist tot, doch die Legende lebt. (Klingt abgeschmackt). Wäre ich damals älter gewesen, wäre 'die' PF-Platte für mich wahrscheinlich "DSOTM" oder "Meddle" geworden, so aber wurde es "The Wall". Okay, heute fehlt mir vielleicht die pubertäre Identifikation, und den Kinderchor fand ich damals schon Scheiße, aber das anschließende Soli von David Gilmour ist auch heute noch unschlagbar. Und nach wie vor ist Comfortably Numb eines der schönsten Songs, die überhaupt je geschrieben worden sind. Die meisten Texte - sowieso über jeden Zweifel erhaben - sind für sich genommen, schon kleine Kunstwerke. Jedoch fiel es mir auch damals bei der Grundstory schon schwer, echtes Mitleid mit dem "ach so armen Rockstarmillionär" zu haben. Waters betreibt textlichen Exhibitionismus fast bis zur Unerträglichkeit und dennoch (oder gerade deshalb) kam dabei ein ganz besonderes Stück Platte heraus. Die Stärke von PF - musikalisch bestimmte Stimmungen aus dem tiefsten Innern hervorzurufen - wird diesmal erfolgreich in kürzere (fast schon) Pop oder auch Rocksongs gezwängt. Weniger episch, dafür mehr auf dem Boden und dennoch große Gefühle wie Unterdrückung, Angst, Paranoia, Einsamkeit, Verlust, Depression usw. Jeder hat sie schon einmal erlebt und jetzt kriegt er sie wieder vor den Kopf geknallt. WARUM TUT MAN SICH SO ETWAS ÜBERHAUPT AN??? Na, weil wir doch alle tief drin kleine Melancholiker sind. (Aber "Dark Side ...", "Wish you ...", "Meddle" und "Animals" sind natürlich auch sehr, sehr schöne, einzigartige Platten).
In the flesh: Aggressive Eröffnung der "Rockoper" ungewohnt heavy für PF-Verhältnisse
The Thin ice: Wunderschöner Song; erstes Highlight der Platte
Another brick...pt.1: Langsamer Vorbote des Klassikers
Happiest days...: Tja, einfach nur Anlage auf 10 und genießen
Another brick...pt.2: Wer kennt`s nicht???
Mother: Stilles, emotionales kleines Meisterstück
Goodbye blue sky: Scheinbar harmlos liegt etwas sehr düsteres in der Luft
Empty Spaces: Der Abgrund tut sich auf. Genial
Young Lust: Pink Floyd goes Hard Rock. Cool
One of my turns: Ein weiterer Abgrund
Don`t leave me now: Seltsamste Akkordfolgen. Schaurig, im positiven Sinne.
Another brick...pt.3: Kraftvoller kurzer Rocker des bekannten Themas
Goodbye cruel world: Beispiel für musikalischen Minimalismus Seite 2
Hey You: Weiteres Highlight der Platte, das komischerweise im Film nicht benutzt wurde.
Is there anybody out there: Atmosphärisches, geniales Akustikgitarreninstrumental. Zucker.
Nobody Home: Und noch`n kleines Highlight. Die Anfangssequenz scheint mir Note für Note genial von "Stairway to heaven(!)" geklaut zu sein. Kann mich aber auch irren.
Vera: 'Ne kleine, nette Ballade
Bring the boys back home: Dieser Männerchorkram ist zwar eine interessante Idee, mag ich persönlich aber nicht so.
Comfortably Numb: Wie gesagt, das Beste Stück der Platte. Bemerkenswert der wunderschöne Wechselgesang von Waters und Gilmour und die absolut brillante Sologitarre.
The show must go on: Kleiner Lückenfüller. Tut aber auch nicht weh.
In the flesh: Siehe Seite 1, Song 1
Run like hell: Und noch`n Highlight. Bei diesem, an sich genialen Song, hab ich immer ein bisschen das Gefühl gehabt, dass er nicht richtig zu Ende komponiert worden ist. Es baut irgendwie eine Stimmung auf, die sich nicht richtig entlädt.
Waiting for the worms: Gefällt mir einfach.
Stop: Siehe Song Nr 7.
The Trial: Jetzt sitzen wir wirklich mittendrin in der (Rock)Oper. Ist genial gemacht, mochte ich aber nie so besonders.
Outside the wall: Ende gut, alles gut?
10 von 10
Pink Floyd The Final Cut
Eins steht fest: nämlich, dass die musikalische Fortsetzung von "The Wall" besser als ihr Ruf ist. Waters schien im Rahmen von The Wall längst nicht alles erzählt zu haben, das ihm noch wichtig erschien. Letztendlich bleibt es aber ein Waterssoloalbum unter falscher Flagge. Schon nach "The Wall" hätten alle hinschmeißen sollen. Dramaturgisch zum richtigen Zeitpunkt. Auf dem Höhepunkt, eben. So kam noch diese "Wall'sche Nachgeburt" zu Tage und bleibt dennoch ein faszinierendes Stück Alptraum. Rick Wright (angeblich rausgemobbt) taucht hier bei den Credits nicht mehr auf, Gilmour liefert lediglich ein paar schöne Gitarrensoli und Nick Mason darf neben anderen Studiodrummern noch ein, zwei Trommelwirbel beisteuern. Ansonsten kein "echtes" Pink Floyd Album mehr, das aufzeigte, dass es in der Band offensichtlich nicht mehr stimmte. Das Gruppengefüge schien zusammengebrochen, ob Watersche Egomanie, Desinteresse an der Gruppe von anderen Bandmitgliedern oder beides - das sei einmal dahingestellt. So übel wurde das Ergebnis allerdings deshalb nicht, da wir hier einen ernsten, politischen Waters erleben, der offen seine Vergangenheit aufarbeitet (vielleicht auch manchmal etwas zuviel Selbsttherapie betreibt), teilweise quälend, aber auch ehrlich.
The post war dream: Anklagendes Stück, das sich offen mit Maggie Thatcher und den Falklands beschäftigt.
Your possible pasts: Musikalisch, wie einige andere Titel auch, vielleicht etwas zu stark an The Wall angelehnt.
One of the few: Kurzes eindringliches Stück
The hero`s return: Auch hier scheint die Musik, wie so oft auf dieser Platte, nur noch die Funktion der reinen Textuntermalung auszuüben.
The gunner's dream: Wunderschöne Ballade, Waters singt hier sehr leidenschaftlich
Paranoid eyes: Nicht ganz so starke Ballade
Get your filthy hands off my desert: Kurze Überleitung zu "Fletcher"
The fletcher memorial home: Waters sperrt hier alte, unheilbare Tyrannen und Könige in ein Altersheim. Genial naive Idee und bester Song soweit.
Southhampton Dock: Kurz und gut
The final cut: Obwohl dieser Song musikalisch der kleine Bruder von Comfortably Numb ist, bleibt er das ergreifendste Stück der Platte.
Not now John: Meines Wissens einziges hier von Gilmour mitgesungenes Prachtstück der Platte. Eines der aggressivsten Floydstücke überhaupt, auf den Punkt, straight, schnörkellos und äußerst gut.
Two suns in the sunset: Starker Text mit nicht ganz so starker Musik
Goodbye Pink Floyd, war 'ne schöne Zeit mit euch. Aber es sollte ja (leider?) nicht der ultimativ "letzte Schnitt" bleiben.
8 von 10
Pink Floyd A Momentary Lapse of Reason
Als die Platte 1987 herauskam fand ich sie noch stark, und oberflächlich betrachtet hatte sie auch alles, was das PF-Hörerherz begehrt. Da waren sie endlich wieder diese schier endlosen, sphärischen Synthieintros, die dezent draufgetupften, klaren Gitarrensprenkel, dazu Gilmour's gewohnt warme Stimme, der Frauenbackground, die schönen Gitarrensoli usw. Der Mensch ist anscheinend wirklich ein Gewohnheitstier. Gilmour hatte bekanntlich den Namensrechtstreit gegen Waters gewonnen und Rick Wright zurück ins Boot geholt. Doch offensichtlich muss der musikalische Verlust von Waters so groß gewesen sein, dass gleich eine ganze Armada zusätzlicher Gastmusiker von Nöten war, um den Mastermind der Band zu kompensieren. Musikalisch gesehen ging diese Rechnung noch einigermaßen auf.
Signs of life: Gewohnt schönes Instrumental
Learning to fly: Die Singleauskopplung in interessantem Rhythmus, ansonsten noch ganz okay
The dogs of war: The wall lässt mal wieder grüßen; auch hier schön treibender Rhythmus, aber der Text...
One Slip: Im Prinzip kein schlechter, sondern gutlosgehender Song mit geslappten Basssoli(!). War das etwa eine Anspielung auf Waters Basskünste? Ich bin fast sicher.
On the turning away: Feuerzeuge heraus und Daumen verbrennen. Für PF-Verhältnisse eine recht peinliche Angelegenheit. Zu kommerziell, zu Eighties!!!
Yet another movie: Für mich, nach wie vor, Bestes Stück der Platte - I don`t know why
A new machine pt1: Erzählt uns in kurzer Form die gnadenlose Weisheit, dass - Nobody lives forever. Ein weiterer poetischer Höhepunkt.
Terminal Frost: Da wirkt dieses Instrumentalstück schon weitaus glaubwürdiger; sogar mit echtem musikalischen Höhepunkt und schönem Sax.
A new machine pt.2: Siehe 7 Binsenweisheit diesmal: "It`s only a lifetime" boooaaaahh ey… Dieser Minimalismus, diese Aussage
Sorrow: An sich gar nicht mal verkehrter Song, fängt zumindest vielversprechend, mit viel und lang Gitarrensolo an. Nur eins bereitet mir "Kummer": One world, one soul, time pass, river roll. Jeder anderen Band der Welt hätte ich solche Trivialitäten auf Schülerbandniveau verziehen. Nicht so Pink Floyd. What has become of you?
Handwerklich noch recht gelungen bleibt diese Platte aus heutiger Sicht gesehen, jedoch im Vergleich zu allen Vorgängeralben von PF, seltsam substanzlos. Was ihr zu fehlen scheint ist Waters Stimme als gesanglicher Kontrast zu Gilmour und am gravierendsten fällt diese schaurig banale Lyrik auf, die nicht im entferntesten Waters das Wasser reichen kann. Irgendwie fällt mir dazu Mc Cartney und Lennon ein. Wer steht hier wohl für wen?
7 von 10
Pink Floyd The Division Bell
Etwas ausgewogener als noch auf dem Vorgängeralbum präsentiert sich hier Pink Floyd sieben Jahre später. Rick Wright wurde musikalisch wieder stärker einbezogen. Er taucht bei den meisten Stücken als Co-Autor auf, was der Authentizität der ganzen Sache sicherlich gut tat. Ebenso schnappte sich Gilmour diesmal für die meisten Texte diverse Co-Autoren, das seit den Ausfällen auf dem vorigen Album auch dringend nötig erschien. Einsicht ist der erste Weg zur Besserung, könnte man sagen. Dass dabei wirklich textliche Glanzlichter herauskamen wäre stark übertrieben, aber wenigstens hielt sich hier die Peinlichkeit noch etwas in Grenzen. Wirklich neues, spektakuläres konnte man in musikalischer Hinsicht von den (alten?) Herren wohl nicht mehr erwarten. So wurde zwar meistens Solides geboten aber ein ums andere mal auch Selbstzitat an Selbstzitat aneinandergereit. Und zwei, drei richtige Ausrutscher sind dann doch noch dabei.
Cluster one: Das mittlerweile obligatorische schöne Instrumentalintro
What do you want from me: Da sind sie wieder, die altbekannten schönen Background AHHHHHS und OHHHHHS. Ein richtig schönes Stück. Doch spätestens bei der Zeile "Sell your soul for complete control" erscheint es mir plötzlich so, als dass es sich hier um eine direkte Anspielung auf Waters handelt. Dazu später mehr....
Poles apart: Ist hier im Text nicht schon wieder Waters gemeint? Die Musik ist übrigens ganz okay
Marooned: Klassisches Pink Floyd Instrumental - sprich schönes Gitarrensolo - passt eigentlich sehr gut in die Pink Floyd Welt, wenn da nur nicht die sich ewig wiederholenden gleichen 3-4 Akkorde wären. Wer`s braucht....
Great day for freedom: "On the day the wall came down" hättet ihr wohl besser das Handtuch geschmissen, dann wäre uns so etwas erspart geblieben.
Wearing the inside out: Interessantes, langsames Stück bei dem Wright seit längerer Zeit mal wieder singen darf. Sehr ätherisch sorgt es so für etwas Abwechslung. Dann jedoch die Textzeile: "This bleeding heart`s not beating much" und ich werde den leisen Verdacht nicht los, dass ich ungewollt mittendrin bin in einem Scheidungskrieg. (Eine Anspielung auf Waters Bleeding Heart Band)
Take it back: Schlechtester Pink Floyd-Song ever
Coming back to life: Schöne Gitarren aber leider viel zu kommerziell
Keep talking: Der Song startet stark, hält die Stimmung auch aufrecht. Es treibt alles auf einen Höhepunkt zu, der dann jedoch nicht einsetzen will. Bezeichnende Textzeile: "We`re going nowhere"
Lost for words: Erschreckende Banalitäten auf musikalischem Schlagerniveau
High hopes: Gottseindank geht es doch noch. Natürlich bestes Pink Floyd Stück der Platte, auch wenn hier wieder kräftig the Wall zitiert wird. Zum Text sag ich jedoch besser nix.....
Dieses gegenseitige Rumgezicke in Songtexten ist mir auch schon bei anderen Bands, z.B. Supertramp, nach Trennungen von Bandmitgliedern auf den jeweiligen Platten unangenehm aufgefallen. Ich persönlich finde dies, wenn es denn so ist, eher peinlich als amüsant.
7 von 10
Queen A Night at the Opera
Ich oute mich jetzt und gestehe: Ich habe Queen immer geliebt und werde sie wohl auch immer lieben. Speziell diese Platte und alle, wirklich alle anderen Platten, von "Queen 1" bis "Made in Heaven". Als pubertierender traf es mich damals wie ein Schlag. Ich glaube es war Killer Queen von "Sheer heart attack", das mich mit diesem Virus infizierte. Es waren diese scheinbar einfachen Melodien, und ich versuchte sie mit meinen eben erworbenen Gitarrenkünsten nachzuspielen. Hoppla, da merkte ich schnell, dass das gar nicht so einfach war. Einer der musikalischen Höhepunkte von Queen ist mit Sicherheit eben diese Platte. Ist das Prog-Rock? Ich behaupte es ist Kunstrock im wahrsten Sinne des Wortes. Los geht's:
Death on Two Legs Böse, zynisch, druckvoll, göttlich
Lazing on a Sunday Afternoon Very britisch und macht richtig Spaß
I'm in Love with my Car Von Roger Taylor geschrieben und mit viel Power gesungener straighter Klassiker
You're my Best Friend Sonniger Popsong von John Deacon scheinbar aus der Hüfte herausgeschrieben
39 Brian May's Akustik Klassiker
Sweet Lady Schwächster Song dieser Platte
Seaside Rendezvous siehe Nr. 2
The Prophet's Song Geheimtip, und dann dieser Chorgesang. Wie gesagt, Kunstrock.
Love of my Life Liebesschmerz allererster Güte
Good Company Einzig Brian May's dünnes Stimmchen trübt hier etwas den Glanz
Bohemian Rhapsody Natürlich "der" Queen Song schlechthin
God save the Queen genau, aber nur "Diese" hier
Kritiker meinten damals, dass Ihnen diese Platte zu verkitscht und zu wenig rockig war. Aber gerade dieses "opernhafte" war ja eigentlich genau das, was Queen von jeder 08/15 Rockband unterschied. Zwei, drei Platten vorher und nachher bewiesen sie denen ja auch, dass sie ganz schön einen abrocken konnten.
10 von 10
Leon Redbone On Track
So Ende der Siebziger, war es für mich ganz normal Musik aus bestimmten Radiosendungen mitzuschneiden. Ich glaube es war eine SWF3-Sendung von Alan Banks die meinen musikalischen Horizont, als damals etwa 15 jährigem um nicht wenige Quantensprünge erweiterte. Da gab es zum Beispiel jene für mich bis heute unauffindbare Live-Version des Irving Berlin Stückes "My walking Stick" genial gesungen, genuschelt und vorgetragen von Leon Redbone. Das haute mich um. Im Besonderen die geile Tuba und die minimalistische Gitarre. Wenn mir diese Version jemand jemals noch mal besorgen könnte? Mail??? Nostalgie, Nostalgie, aber ich glaub's ja eher nicht. Jedenfalls liegt hier die Studioversion dieses Songs vor und ist auch nicht von schlechten Eltern. Und überhaupt seine Musik. Cool, cool und nochmals cool. Das ist weder Rock noch Country, weder Jazz noch sonst etwas vergleichbares. Eine Lightversion von Tom Waits vielleicht, ein Tupfer Screaming Jay Hawkins oder gar Paolo Conte? Nein das haut nicht hin. Leon Redbone ist Leon Redbone. Das ganze grummelt so herrlich altmodisch und doch zeitlos aus den Boxen, und kommt am besten so ab 2 - 3 Uhr morgens. Also, wenn ich mal alt bin, und so manche Mode gekommen und gegangen ist, könnte das wirklich mein Alterssoundtrack sein. Mochte es ja schließlich auch mit 15 schon.
8 von 10
Sparks Lil' Beethoven
Schlimm-Geile außergewöhnliche Platte. Im positiven Sinne nervig, exzessiv, die dem Begriff REFRAIN im gemeinen Popsong eine völlig neue Bedeutung gibt. Diese Refrains werden dir solange in den Kopf geklopft, bis du sie nicht mehr herauskriegst, und du reibst dir voller Verwunderung die Ohren. Die Musik funktioniert tatsächlich fast komplett OHNE Drums(außer bei UGLY GUYS...), doch wie wir im ersten Song erfahren, wurde der Beat ja bekanntlich vom Rhythmusdieb geklaut. Erstaunlicherweise geht dabei dennoch ganz schön die Post ab. Der"kleine Beethoven" schlägt nur so mit Geigen(diesmal nicht senseless) und Klavieren um sich. Um einmal im Leben in der berühmten Carnegie Hall auftreten zu dürfen (lernt man) sollte man üben, üben, und nochmals üben. Wenn die Sparks auf diesem Niveau bleiben, werden sie es auch schaffen. Worüber die momentan hippen Bands sich eigentlich so (künstlich)aufregen wird auch noch augenzwinkernd hinterfragt. "I married myself and we're happy together, long, long walks on the beach, lovely times…..this time it's gonna last forever" alleine für diese poetische Meisterleistung 100 Sterne. Höhepunkt ist jedoch und bleibt "Ugly guys" das sich musikalisch wieder dezent an den Spätsiebzigererfolgen der Sparks orientiert. Auch der Text ist wie gewohnt vom Feinsten und sprüht nur so vor Augenzwinkern. Einfach köstlich. Und gerade habe ich wieder diesen ach, so utopischen Traum gehabt: Eine Fusion der Sparks mit den Restmitgliedern von Queen. Den QUARKS!!! Wenn man sich mal die Mühe macht, die ersten Scheiben der beiden Bands zu vergleichen, dann versteht man vielleicht, was ich meine und es ist doch kein so abenteuerlicher Gedanke. Ich gäbe was drum.
8 von 10
Michael Schenker Thank You 3
Pling Plang Plong macht es immer noch in meinen Öhrchen. Der wirklich brillante Gitarrist Michael Schenker, beglückt uns also mit seiner Wandergitarre(na ja nicht ganz) und was herauskommt sind 11 Geniestreiche, die leider fast alle gleich klingen. (Bin ich etwa ein Banause?) Nun gut Song Nr. 3 "Take me" versucht ein wenig zu grooven, schafft es auch noch ein wenig. Bei Song Nr.4 werden die Saiten soooo ähnlich wie bei David Gilmour gezogen. Klingt alles aber ein bisschen steriler. Jetzt bei Song Nr. 5 kommt ein wenig Ferienlagerstimmung auf. Wie gesagt alles sehr gekonnt gespielt, aber irgendwie-nun ja auch etwas langweilig, weil nicht sehr abwechslungsreich. Nr.7 klingt wie Bonanza im Marschtakt. Fast schon originell. Das Intro von Lied Nr.8 erinnert mich etwas an Simon + Garfunkel. (Nein, das ist nicht als Beleidigung gedacht, Mrs.Robinson war doch kein soo schlechter Song.) Bei Lied Nr. 9 kriege ich Lust "Holiday" aufzulegen oder besser gesagt genau in solchen zu fahren. Nr.10 klingt wie ein Marschtakt mit Bonanza. Deja vu. Nr.11 klingt wieder wie Nr.9 oder Nr. 4 oder umgekehrt ist auch egal. Wie man schon bemerkt hat, werde ich wohl kein großer Freund dieser Platte werden. Diese Art von Musik ist vielleicht geeignet (mit heruntergedrehtem Volume) im Hintergrund eines Restaurants zu laufen, für Kamin und Bärenfell erscheint sie mir jedoch nicht warm genug. Jedenfalls mein Tipp lieber Michael-vielleicht gehst Du ja wieder mal zum "Doctor, Doctor" der Dich mit "Captain Nemo" auf die Erde zurückbringt und Dich wieder "Into the Arena" schickt, um das zu machen was Du wirklich kannst, nämlich gut einen abzurocken.
5 von 10
Supertramp Slow Motion
in)famous last words. Oh ich habe diese Band (ich geb`s ehrlich zu), einmal sehr gemocht. Crime of Century(ein zeitloses Juwel), Crises…, Even...., Breakfast….(so etwa bis dahin) waren für mich einfach schöne angenehme Musik, die ich auch heute zuweilen noch sehr gerne höre. Danach verließ Roger Hodgson (Ja-der Aushilfs-BeeGee-sorryfansitsjustajoke) die Band und fristet bis heute ein mehr oder weniger erfolgreiches Solodasein, daß stellenweise noch ganz akzeptable Ergebnisse hervorbringt. Rick Davies und der Rest der Band machten also ohne ihn weiter und immerhin bescherte uns diese Besetzung noch das für meinen Geschmack recht brilliante Album: Brother where you bound. Dann wurde es wieder stiller, bis Some things never change herauskam. 2 Songs (It`s a hard -das wissen wir selber-world u. der Titelsong) kamen bei mir noch ganz gut weg, aber der Rest der Platte war ziemlicher Bockmist. Es konnte also eigentlich nur besser werden. Wurde es aber nicht. Ganz im Gegenteil. Denn als ich diese Frechheit von Platte in mein Autoradio einlegte, und es mir lückenlos antat, stets mit wohlwollender Geduld, da ahnte ich bereits: Das ist SIE......... Endlich(!?!) habe ich SIE gefunden. (Ein zweifelhaftes Vergnügen!) Ich konnte es einfach nicht glauben. Die mit Abstand wirklich SCHLECHTESTE Platte die ich, soweit ich mich jedenfalls erinnern kann, je gehört hatte. Da war nichts, aber auch gar nichts von dem was man von dieser Band eigentlich erwarten konnte, oder mußte. (Denn gute Musiker sind - oder etwa waren? - diese Leute ganz bestimmt.) Slow Motion-mir fällt fast ein noch treffenderer Titel ein (Slow Death) Selbst eine lausige Bay City Rollers-Platte hatte wenigstens einen Song drauf, der auch wenn man es damals nicht gerne zugab, wenigstens clever gemacht war. Doch hier Fehlanzeige. Diese Platte ist definitiv auch nicht so schlecht, daß sie schon wieder gut ist. Mir fallen nur solche Vokabeln ein wie: Unnötig, Nichtssagend und Ignorant(Die Harmlosen) aber auch: Körperverletzung, Hirnzersetzung, und noch einiges mehr, aber ich habe meine letzte Rechtsschutzversicherungrate noch nicht bezahlt, und deshalb erspare ich und uns dies lieber. Jedenfalls flog diese Scheibe beinahe aus meinem Autofenster (ich wurde noch zurückgehalten) und später landete Sie (die Grünen unter euch mögen es mir verzeihen) in meiner Mülltonne. Und da gehört Sie meiner Meinung nach auch hin. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben irgendetwas positives herauszuhören, aber da war leider nix, und ich hatte auch keinen schlechten Tag(jedenfalls vorher).
2 von 10 * (aber nur für den passenden Albumtitel)
Trust Repression
Diese Platte gibt es auch in einer englischen Version, die ich zwar nie gehört habe, für das bessere Textverständnis wohl auch logisch erscheint, aber ich empfehle trotzdem die französische Ausgabe, da deren Charme wohl gerade diese für Rockverhältnisse ungewöhnliche Sprache ausmacht. Französischer - nennen wir's mal - Punk-Heavymetal - geht das? Und ob...und zwar ganz schön ab. Man merkt gleich, da steckt ne Menge Liebe, Spucke und Engagement drin. Nein keine Chance für Chansons. Wir schreiben das Jahr 1980 und der Punk muss wohl doch noch irgendwie nach Frankreich geschwappt sein. Die Texte, soweit ich mitbekommen habe, politisch links angehaucht, doch leider, leider hab ich damals beim Französischunterricht zu oft gepennt. Das rächt sich jetzt gnadenlos. Egal. Der aggressive Opener "Antisocial" auch gleich DER Klassiker der Band. Ein Feuerwerk. Der vielleicht etwas begrenzte Stimmumfang des Sängers nicht wirklich ein Thema, da seine versoffene(?) raue Stimme trotzdem durch Mark und Bein geht. Der Rest der Band geradlinig, unverspielt und schnörkellos. Mein absolutes Highlight "Le Mitard"(es geht um Jaques Mesrine-Frankreichs Staatsfeind Nr.1). Wo Punkbands mindestens 2-3 Akkorde drauf haben mussten, schafft es dieser Song doch tatsächlich mit nur 1(!!!!!) Akkord auszukommen und siehe da, es klappt hervorragend. (Okay im Refrain gibt's dann ja doch noch ein paar mehr, aber egal). Einen Heavy-Blues(!) "Saumur" gibt's noch gratis dazu, und ganz, ganz kurz klimpert auch mal ein Klavier. Der ganze Rest ist pure Energie. Auf dem Innencover sitzt ein entspannter, biertrinkender Bon Scott(RIP) mit der Band zusammen und man scheint ne Menge Spaß zu haben. Genauso viel Spaß wie mir diese Platte immer gemacht hat. Vive la Trust.
8 von 10
UB40 Signing Off
UB 40' s Debütplatte von 1980 war noch weit entfernt vom späteren Lambada - Weichgespüle a la Kingston Town. Kein Roots - Reggae zwar, eher etwas geglättet und popkompatibel, trotzdem schön anzuhören, erstaunlich gut und klar produziert und mit reichlich textlichem (politischen)Biss. Kein Song ragt hier wirklich hervor, doch das Gesamthörerlebnis zählt. Die Reggaewelle hatte zu dieser Postpunkzeit ja einige englische Bands erfasst, doch Klang UB40 zu dieser Zeit vielleicht von all denen noch am authentischsten. Und wieder so ein Beispiel von absoluter Funktionsmusik(diesmal das Reggae-Klischee): Autoradio, Sommer, Sonne, Sand usw... Die Stimme des Hauptsängers, auch nicht jedermanns Geschmack, passt sicher aber sehr gut zu dieser Art von Musik. Später wurde diese Band ja auch zu recht sehr, sehr erfolgreich und leider auch unerträglich kommerziell. Also, nix für Feingeister oder Rocker, aber zumindest als Urlaubsplatte mehr als empfehlenswert und sehr schöne Saxophonarbeit gibt's sowieso noch gratis dazu.
7 von 10
The best of Suzanne Vega Tried & True
Auch der härteste Rocker braucht mal eine Pause und hört dann (heimlich?) z.B. Kate Bush oder auch, wie ich hier empfehlen kann: Suzanne Vega. Die Kompilation ist bis auf zwei bedauerliche kleine Ausnahmen (Solitude Standing und Rusted Pipe) sehr gelungen und recht komplett. Die klare, zerbrechliche, manchmal etwas kühle Stimme von Frau Vega ist gewöhnungsbedürftig, aber auch ziemlich einzigartig und jederzeit leicht identifizierbar. Das musikalische Spektrum reicht vom fast rein akustischen Charme der ersten beiden Platten, über die dezenten Industrial/Rap-Beats des genialen 99.9 Fahrenheit-Album. Leicht jazzig angehauchtes(Caramel) gibt's hier ebenso wie den reinen Popsong(Tom' s Diner with DNA). Öfter mal traurige Themen wie in "Luka" oder leicht versponnenes wie "In Liverpool". Höhepunkt dieser Platte mit Sicherheit das ansonsten schwer erhältliche wunderschöne "Left of Center". Da die neueren Sachen von ihr qualitativ etwas abfallen empfehle ich dem Interessierten alternativ zu dieser Best of die drei obengenannten Alben: Suzanne Vega 1, Solitude Standing und 99.9F und (ein kleiner Tipp) Hände weg vom recht schnarchig geratenen Book of Dreams - Album.
7 von 10
| ROGER WATERS-SPECIAL(alle Alben) |
Roger Waters Music from the Body
Zu dieser CD gibt es eigentlich nur soviel zu sagen, als das ich sie nicht verstanden habe. Da gibt es ein Sammelsurium von A L L EN menschlichen Geräuschen wie etwa rülpsen, furzen, Babygeschrei usw. und irgendwo im Hintergrund klimpert ein Herr Geesin am Klavier und alles scheint sehr experimentell, sehr gewagt, sehr progressiv, sehr psychedelisch und eigentlich irgendwie sehr langweilig zu sein. Ist es Kunst??? Wahrscheinlich. Partygag???? Wahrscheinlich nicht.
5 von 10
Roger Waters The Pros and Cons of Hitch-Hiking
Das eigentlich als "The wall" Pt. II geplante, von seinen Pink Floyd-Kollegen jedoch abgelehnte Konzept zu "the Pros and Cons", wirkt musikalisch sehr atmosphärisch, sehr düster, teilweise bluesig, aber bisweilen auch unausgegoren und zu simpel gestrickt. Auch ein Eric Clapton, der z.b. bei "Sexual Revolution" zu wahrer Hochform aufläuft, kann die eigentliche Schwäche des Albums nicht überspielen. Es fehlen ganz einfach die wirklichen Highlights. Jene eins, zwei Songs, die aus dem Rest herausragen. Textlich wie immer brillant, setzt Waters hier mehr auf Atmosphäre und Message, denn auf herausragende oder (catchy ) Songs. Schaurigstes Beispiel: der Titelsong mit einem wirklich gruseligen Backgroundgesang, der einen an sich gar nicht soo schlechten, fast schon kommerziellen Song, regelrecht ruiniert. Wohlmeinend könnte man vielleicht noch erwähnen, dass dies Herrn Waters erster Soloversuch war, und bei aller Kritik noch solche schönen Sachen wie "Go fishing" oder "Every stranger's eyes" aus der Feder schüttelte. Was diese Platte dennoch recht interessant und "anders" macht, ist vielleicht die Tatsache, dass es sich hierbei um ein musikalisches "Beziehungskistenhörspiel" handelt, dass - gute Englischkenntnisse einmal vorausgesetzt - trotz seiner Düsternis, eine Menge Spaß(!?) machen kann.
7 von 10
When the Wind blows Soundtrack(Roger Waters u.a...)
Wer braucht eigentlich Soundtracks??? Natürlich, man sieht im TV eine Wiederholung und denkt: netter Film oder netter Song. So geht man vielleicht am nächsten Tag los, besorgt sich die CD und legt sie in den Player. Nachdem man Bowie`s ganz okaynes "When the wind blows" gehört hat, dann einen etwas schwächeren Song von Stranglers-Sänger Hugh Cornwell über sich ergehen hat lassen, dann leicht genervt eher durchschnittliche, bisweilen recht seltsam aneinandergereihte Songs von z.b. Genesis, Squeeze und Paul Hardcastle überspringt und schließlich bei Roger Waters angelangt ist, hat man eigentlich schon fast genug. Dann kann man zwischen den wirklich interessanten Songs "Towers of Faith" und "Folded Flags" u.a. Atomkriegsgeräusche bestaunen und weiß: Nein eigentlich brauche ich keine Soundtracks(jedenfalls nicht solche). Das Lied von Bowie gibt's auch auf Best Off`s oder die Maxi hätte es auch getan. Doch soooooooo toll ist das Lied nun auch wieder nicht und an "Joe the Lion" oder "Heroes" kommt es eh nicht heran". P.S. Natürlich gibt es auch gute Soundtracks: z.B. Easy Rider, Uhrwerk Orange, Pulp Fiction u.s.w. aber das waren ja auch Klassiker und keine todtraurigen Zeichentrickfilme für Erwachsene.
6 von 10
Roger Waters Radio KAOS
Und wieder ein "Konzeptalbum" welch eine Überraschung. R.W. scheint das Übel dieser Welt ganz alleine auf seinen schmalen Schulter zu tragen, und er hat bisweilen ja auch recht. DIE WELT IST SCHLECHT. Die Geschichte geht irgendwie um Billy und Benny, die durch ihre Funkerei einen Atomkrieg auslösen oder so ähnlich". Es fiept und donnert und piept und bellt zwischen Liedern die man so von Roger Waters noch nicht zu hören bekam. "Radio Waves" der erste Song der Platte(und Singleauskopplung) scheint gleich die Richtung festzulegen in die es gehen soll: Achtziger Jahre Mainstream, gepaart mit einem Hauch Sozialkritik. "Who needs information" die gute alte Zivilisations- u. Technologiekritik scheint relativ banaler Rock zu sein, und plötzlich gibt es auch wieder richtige Refrains. Die fast schon zu offensichtliche Koketterie mit den Charts wird durch das leichte "Me or him" erstmals unterbrochen. Das coole "The powers that be" zeigt, dass Waters anscheinend eine gute"(bleeding heart)Band" zusammengetrommelt hat. Und diesmal passt es auch mit dem weiblichen Backgroundgesang. "Sunset Strip" und "Home" machen wirklich Spaß, wenn man von Spaß bei der Musik von Waters überhaupt reden kann. Dann der dramatische Höhepunkt mit "Four Minutes" das einen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt, um uns am Ende mit einem versöhnlichen "The tide is turning" zurückzulassen.
7 von 10
Roger Waters The Wall: Live in Berlin
Oh wie habe ich Pink Floyd`s The Wall damals geliebt. Heute sehe ich das natürlich schon etwas differenzierter. Seite 3 der Original-LP war Standard wenn man Mädchen, die man mit zu sich nach Hause brachte, beeindrucken wollte.
Aber mit Ute Lemper meine Zeit verplempern?
Mit den Scorpions in den Ruin?
Van Morrison`s Rock am Stock?
Brian Adams und Sinnead und wie sie alle heißen?
Darauf kann ich.........................!
Und in etwa so schlecht wie dieses kleine Gedichtchen, so ist auch diese Platte.
Als ich die Mauergeschichte damals im Fernsehen sah, dachte ich nur noch: Großer Gott, was treiben die da. Was machen die aus "meiner" The Wall?? Ein paar Wochen später gab`s die Platte zum Event. Wenigstens die gröbsten Böcke wurden noch herausgemixt, aber konnte die Peinlichkeit auch nicht mehr wirklich retten. Das Geld der Platte(des Desasters) ging ironischerweise an den "Memorial fund for disaster relief". Ja so etwas gab es damals noch, also hatte man wenigstens eine gute Tat begangen. Eigentlich lobenswert. Roger Waters tat sich allerdings mit dieser Geschichte für seine eigene Karriere keinen all zu großen Gefallen. Im Gegenteil hatte sie ihm, musikalisch gesehen wohl eher geschadet.
4 von 10
Roger Waters Amused to Death
Es gibt Platten, die man das erste Mal hört und genau weiß: Das ist es. Kein schwacher Song. Durchhören, genießen und wie bei einem guten Buch traurig sein, wenn es zu Ende ist. "The best Pink Floyd Album that Pink Floyd never made" könnte ich vermessen sagen. Eine dieser unterschätzten, von der ach so intelligenten Rockpresse total verrissenen Platte, die bei Kritikern und Käufern nur deshalb durchfiel, weil halt eben nicht Pink Floyd auf dem Cover draufstand. Roger Waters (sowieso nicht eben Kritikers liebstes Kind) tut sich hier mit Jeff Beck (auch dieser leidet ungerechtfertigter Weise unter diesen Kritikern - einem Seelenverwandten also) zusammen und herausgekommen ist eine meiner Lieblingsplatten. Warum?
Weil es um "große" Themen geht.
Weil die Musik teilweise magisch ist.
Weil es einfach gut geschriebene und gut interpretierte Songs sind.
Weil die letzten beiden Pink Floyd Platten vor allen Dingen textlich so grauenhaft banal waren.
Weil ich mich nach mehrmaligem Hören immer noch nicht "zu Tode amüsiert habe".
Weil es bis jetzt Rogers beste Soloplatte ist.
Also einfach - falls nicht bereits geschehen - unbedingt anhören.
9 von 10
Roger Waters In the Flesh
Mehr Vertrauen in sein Solowerk hätte ich mir von RW bei diesem Live-Dokument schon gewünscht. So aber schien er den Beweiß vorlegen zu wollen, dass auch er nach all den Jahren noch mit altem PF-Material umgehen konnte. Und deshalb sind (leider) auch 18 von 24 Songs dieser Scheibe Floyd-Songs, wenn auch teilweise in etwas ungewöhnlicher Auswahl. Natürlich durften die obligatorischen DSOTM, WYWH und WALL-Knaller nicht fehlen. Interessanter wird's dagegen schon bei "Dogs", "Set the controls...."und zwei Songs aus der Final Cut-Aera. Ein gewisses Wiederhörgefühl macht sich dennoch breit. Dazu bleibt vielleicht noch zu erwähnen, dass das Fehlen der Stimme von David Gilmour ebenso wenig kompensiert wurde, wie im umgekehrten Fall die Stimme von Waters bei Pink Floyd. Ob der dabei vermehrt auftretende weibliche Backgroundgesang manchmal etwas unglücklich gewählt wurde sei einmal dahingestellt. Als große Pluspunkte der Platte sehe ich die durchaus warme Grundatmosphäre und das nicht ganz so starre Nachspielen der Studioversionen an. Einige kleinere Ausfälle wie: The happiest days..., Another brick...und Wish you were here sind aber leider auch dabei. Glänzend ausgewählt und vorgetragen dagegen die Solosongs und als kleines Bonbon das bisher unveröffentlichte "Each Small Candle". Das Ganze scheint vielleicht recht interessant für Hardcore-Fans zu sein, um Vergleiche mit Pink Floyd-Liveplatten anzustellen, aber diese Art von Platten werfen auch immer wieder die Frage nach der wirklichen Notwendigkeit auf. Ein Gefühl von: "Der Künstler XY braucht mal wieder Kohle" beschleicht einen dabei immer wieder. Alternativ würde ich da schon eher das echte Konzerterlebnis vorziehen, was ich in diesem Fall auch getan, und tatsächlich nicht bereut habe.
7 von 10
Roger Waters Flickering Flame
Eins vorneweg: der Untertitel(the solo years volume I) lässt hoffen. Worauf? Auf eine echte "Best of" oder eine echte"Rare-CD" in Form von Volume II. Denn "Flickering Flame" ist in dieser Beziehung für echte Fans weder Fisch noch Fleisch. Das wirklich "Beste" ist eigentlich zu wenig vertreten und "two rare demo recordings" sind dann doch etwas dünn. Einsteigern und alten Pink Floyd-Fans, die sich um das Solowerk seitens Roger Waters bisher wenig bis gar nicht gekümmert haben, sei diese Scheibe jedoch wärmstens empfohlen.
1.Knockin on heaven`s door
Bestimmt nicht die Schlechteste, aber unnötige 3746. Version des Dylan-Klassikers
2. Too much rope
"Give any one species too much rope and they`ll fuck it up" Dem ist nichts hinzuzufügen.
3. The tide is turning
"Eine wuchtige Live-Aufnahme" Zitat Arno Frank ME/Sounds (Sorry lieber Arno, aber dieses Stück ist weder wuchtig noch live)
4. Perfect sense part I&II
Bestes Stück der Platte, und wahrscheinlich mit das Beste was Waters je zu Papier gebracht hat. (diesmal wirklich live) Floyd meets Soul-Gänsehautgarantie
5. Three Wishes
Vermisst hier noch ernsthaft jemand David Gilmour`s Gitarre. Jeff Beck und Roger Waters - das passt.
6. Every Strangers Eyes
Siehe Nr. 5 nur diesmal mit Eric Clapton - auch das passt - irgendwie
7. Who needs information
Herausgelöst aus dem Radio KAOS Konzept bietet dieses Stück nur Durchschnittsrock
8. Each small candle
So oder so ähnlich würde Pink Floyd mit Waters wahrscheinlich heute klingen (Live-Aufnahme vom letzten In the flesh Album) - Nostalgie pur
9. Flickering flame
Ein altersgelassener Waters meets Dylan und das nicht einmal schlecht und zeigt wohin die Reise als nächstes hingehen könnte.
10. The towers of faith
Vom "When the wind blows-Soundtrack" very bluesy, brillianter Backgroundgesang von Claire Torry
11. Radio Waves
Man schreibe einen 4minütigen eingängigen Pop-Song, dessen Titel irgendwie "Radio" beinhaltet, nimmt sich ein paar nette Frauen, die im Refrain etwas von "Radio" singen und fertig ist: Nein nicht "Video killed the radio star" sondern eben "Radio Waves". Dann bringt man es als Single heraus und - floppt.
12. Lost boys calling
Der letzte Song der CD ist seltsam und herzzerreißend zugleich. Zuerst dachte ich ein sooo toller Sänger war Roger Waters ja noch nie, aber das??? Tonlage nicht erreicht oder was??? Aber die Musik??? Ennio Moriccone??? Und dann wird mir klar warum ich Watersche Musik mag. Nein es ist nicht einfach nur Gejammer. Dieser Mann singt so leidenschaftlich: "I hold the child, the child in the man, the child that we leave behind" das man es ihm auch glaubt.
7 von 10
John Watts One More Twist
John Watts ist Fischer-Z ist John Watts etc……. Hier klingt er fast noch mehr nach Fischer Z als Fischer Z selbst. Poor Man' s POLICE sagen einige. Ich nicht. Obwohl es gesanglich und musikalisch, oberflächlich gesehen, einige kleinere Parallelen gibt. Und noch was. Diese Platte ist jetzt wirklich nicht der totale Bringer, sie steht eher symbolisch für das Gesamtwerk(und die Tragik?) meiner bis heute andauernden Sympathie für diese Band oder besser gesagt für John Watts, der nach wie vor, von der Öffentlichkeit eher unbeachtet, Platten unterschiedlichster Qualität herausbringt. Nach den ersten drei ausnahmslos gelungenen Alben von Fischer Z schien irgendwie der Wurm hineingeraten zu sein. Eine Konsequenz wohl diese Solo(?)-Platte. Das der Typ ein geniales Gespür für "Catchy" Songs und bissige, ironische Texte besitzt, beweist er hier mal wieder ausgezeichnet mit dem tollen Opener(London Calling lässt grüßen): "One voice", dem absolut genialen "Lagonda Lifestyle" und dem eher düsteren "Involuntary Movement". Der ganze Rest der Platte fällt dann doch ein bisschen in die Kategorie: nicht nervend aber auch nicht wirklich weltbewegend. Trotzdem empfinde ich diese Art von Musik (nennen wir's mal Wave-Pop) wie überhaupt das Gesamtwerk dieses Künstlers(dieser Band) leider zu unterbewertet. Nur seien wir ehrlich: Drei wirklich gute Songs von 10 machen halt noch lange keine wirklich gute Platte. Und das ist das eigentliche Problem von Fischer Watts. Einzige wirkliche Ausnahme bleibt für mich am ehesten noch das 92er Werk "Destination Paradise". Trotzdem würde ich diesen Mann nicht abschreiben, denn eigentlich hat er's ja drauf. Und zum Beweiß sollte man ihn sich unbedingt mal live reinziehen. Hab ich jedenfalls gemacht und stark war's.
6 von 10
Yello The Eye
Tja, YELLO sind auch solche alten Helden von mir. Tatsächlich kann ich als Gitarrist dieser ansonsten eher gitarrenarmen Musik immer noch einiges abgewinnen. Wirklich neu ist das zwar längst nicht mehr, aber immer mit dem gewissen Augenzwinkern und schmackhaft serviert ist dieses Menü allemal. Im Vergleich zum für mich schwächeren Vorgängeralbum "Motion Picture" diesmal wieder mehr Melodie und Esprit. Und mit Jade Davis hat man sich auch wieder eine vorzügliche Sängerin "geschnappt", die sich nahtlos ins gesamte Yellogefüge einreiht.
Planet Dada Verbeugung vor Kraftwerk?-nicht übel
Nervous Nicht schlecht, aber auch nicht weltbewegend
Don Turbolento Hier ist sie wieder, die alte Stärke, aus bereits bekannten Motiven eine ganz yelloeigene Melange mit südamerikanischem Flair, zu schaffen
Soul on Ice Immer, wenn Dieter Meier versucht zu SINGEN, wirkt es irgendwie putzig. Trotzdem sollte er dazu öfter mehr Mut zeigen, weil reiner Sprechgesang auf Dauer zu eintönig erscheint
Junior B ist so ein klassischer, lockerer, kommerzieller Popsong mit Frauenstimme, den man bei Yello immer mal wieder finden kann. Bei dieser Art von Songs wundert es mich wirklich, dass man sie trotz hoher Pop-Qualität NIE in den Charts findet.
Tiger Dust Ziep, Knartz, Tschonk...
Distant Solution Kommt sehr relaxt...
Hipster's Delay Ziep, Knartz, Tschonk...part 2
Time Palace wabber, wabber, time and space...und so, aber schön gesungene (elektronische) Ballade von Frau Davies
Indigo Bay dieses Instrumentalteil weiß irgendwie nicht so recht wohin...oder etwa doch?
Unreal siehe Time Palace
Bougainville a bissl Französischsprechgesang
Star Breath Ziep, Knartz, Tschonk...part 3
Planet Dada(Flamboyant) meine Meinung zu Alternativversionen auf der gleichen CD: allermeistens unnötig
Natürlich hat dieses Teil im Vergleich zu früheren Sachen von Yello nicht unbedingt den Innovationspreis verdient, aber es unterhält mich trotzdem (vor allen Dingen beim Autofahren) blendend und das kann ich von vielen, vielen anderen CD' s leider nicht behaupten.
8 von 10
Frank Zappa Sheik Yerbouti
Zappa, hä - Prog-Rock??? Und dann ausgerechnet diese CD? Ich erkläre: Nur einmal angenommen Robert Fripp (King Crimson) würde als Vater des Prog-Rock gelten, dann wäre FZ mit Sicherheit seine "Mother". "Sheik Yerbouti", werden viele Fragen? Eine seiner kommerziellsten Platten? Ja, eben gerade deswegen. Denn der kommerziellste Zappa, war für mich persönlich auch der BESTE Zappa. Der Zappa-Purist mag müde lächeln. Doch selbst ein kommerzieller Zappa ist noch "progressiver" als das Gros seiner Kollegen. Ehrlicherweise fiel es mir immer schwer Zugang zu bestimmten älteren Zappaplatten (speziell aus der "Mothers"-Zeit) zu finden. Zu abgedreht, manchmal etwas zu nervig, zu viel Gitarrengekniedel (wenn auch brillant). Spätere Sachen wie "Roxy & Elsewhere", "Live in New York", "Overnite Sensation" und viele andere sind, jede für sich genommen, absolut genial aber mein Liebling ist und bleibt nun einmal die gute alte "Sheik Yerbouti". Warum? Ganz einfach - sie rockt. Straight (Broken hearts are for assholes), cool (City of tiny lites), punkig (I'm so cute), langsam (I have been in you) - wirklich alles drin. Adrian Belew (da ist sie wieder, die Verbindung zu King Crimson) gibt uns in Flakes den Dylan, fast besser als Bob himself. Und dann die Texte: Wie immer genial, schweinisch, zynisch, gemein, intelligent - Zappaesk eben. Das etwas abgelutschte (haha) Bobby Brown ist vielleicht noch einer der eher schwächeren Songs. Als Bonbon am Schluss das göttliche Yo Mama mit wirklich exzellentem Gitarrensolo. Für mich 'ne Platte für die Insel. RIP Frank.
Jo Simon 10 von 10